22. November 2017

Gesellschaft hat zu viel Orientierung

Quelle: idea.de

Der Soziologieprofessor Armin Nassehi: Kirche sollte wieder „Eindeutigkeiten formulieren“. Foto: idea/Pankau

Der Soziologieprofessor Armin Nassehi: Kirche sollte wieder „Eindeutigkeiten formulieren“. Foto: idea/Pankau

München (idea) – Die westliche Gesellschaft hat nicht zu wenig Orientierung, sondern zu viel. Diese Ansicht vertrat der Soziologieprofessor Armin Nassehi (München) am 14. Mai beim Ökumenischen Kirchentag in München. Das zeige sich auch im religiösen Bereich.
 

So nehme die Zahl der „religiösen Bastelexistenzen“ zu. Diese Menschen stellten sich ihren Glauben aus unterschiedlichen Religionen zusammen. Die Kirche könne dem nur entgegenwirken, indem sie wieder „Eindeutigkeiten formuliert“, die Halt und Orientierung gäben, erklärte Nassehi, der unter anderem im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung den Religionsmonitor entwickelt hat, in der Veranstaltung zum Thema „Orientierung finden im Religionsgestöber“. Die Präses der EKD-Synode und Vizepräsidentin des Bundestags, Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen), ermutigte Christen, ihren Glauben freimütig zu bekennen. Viele seien zu zaghaft, wenn es um Glaubensfragen gehe: „Warum? Wenn wir von anderen Dingen begeistert sind, erzählen wir doch auch davon.“ Als eine der größten Herausforderungen für die Kirchen bezeichnete die Politikerin die religiöse Gleichgültigkeit vieler Menschen in den östlichen Bundesländern. „Wenn jemand den Glauben begründet ablehnt, ist es leichter. Denn dann kann man wenigstens miteinander darüber ins Gespräch kommen“, sagte sie. „Was aber, wenn ihm Religion völlig egal ist?“ Die größte Chance, Menschen mit der christlichen Botschaft in Berührung zu bringen, seien nach wie vor christliche Kindergärten und Schulen. Die Zahl derer, die auf den Wartelisten solcher Einrichtungen stünden, sei weit größer als die der Kirchensteuerzahler. Wenn es um die eigenen Kinder gehe, wollten Eltern das Beste. „Und offensichtlich sind sie der Meinung, dass ihren Kindern in einem christlichen Kindergarten oder einer christlichen Schule etwas vermittelt wird, was sie anderswo nicht bekommen.“ Frau Göring-Eckardt warb für den 33. Deutschen Evangelischen Kirchentag, der vom 1. bis 5. Juni 2011 in Dresden stattfinden wird. Er sei eine großartige Möglichkeit, mit möglichst vielen der Kirche fernstehenden Menschen in Kontakt zu kommen. „Und ich hoffe, dass wir in Dresden zeigen, wie fröhlich uns das Frommsein macht.“