18. November 2017

„Gemeinsam einen neuen Aufbruch wagen“

Quelle: idea.de

v.l.: Der katholische Kirchentagspräsident, Alois Glück, und der evangelische Kirchentagspräsident, der Medizinprofessor Eckhard Nagel. Foto: ÖKT

v.l.: Der katholische Kirchentagspräsident, Alois Glück, und der evangelische Kirchentagspräsident, der Medizinprofessor Eckhard Nagel. Foto: ÖKT

München (idea) – „Lasst uns gemeinsam einen neuen Aufbruch wagen!“ Mit diesem Appell haben die Verantwortlichen des 2. Ökumenischen Kirchentages die Gäste des fünftägigen Christentreffens mit mehr als 130.000 Dauerteilnehmern von München auf den Heimweg geschickt.
 

Beim Abschlussgottesdienst mit rund 100.000 Besuchern auf der Theresienwiese sagte der evangelische Kirchentagspräsident, der Medizinprofessor Eckhard Nagel (Bayreuth/Augsburg), der Kirchentag habe Hoffnung in einer Zeit täglich neuer Verunsicherung gegeben. Eine „Zeitansage“ des Christentreffens sei ein deutliches Nein zu allen wirtschaftlichen Wachstumsutopien. „Wir brauchen ein Wachstum an Mitmenschlichkeit“, so Nagel.

Leiden mit und an der katholischen Kirche

Der katholische Kirchentagspräsident, Alois Glück (Hörzing), beklagte die schwere Vertrauenskrise, in die seine Kirche durch die Missbrauchsfälle geraten sei: „Wir leiden mit und an unserer Kirche.“ Die Laien hofften auf ein partnerschaftliches Engagement mit Bischöfen und Priestern, damit aus der Krise neue Anziehungskraft wachse.

Einladung zu nächsten Kirchen- und Katholikentagen

Die Präses der EKD-Synode, Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen) und der sächsische Landesbischof Jochen Bohl (Dresden) luden zum nächsten Deutschen Evangelischen Kirchentag 2011 in Dresden ein. Eine Einladung zum Deutschen Katholikentag 2012 in Mannheim sprachen Alois Glück als Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch (Freiburg), aus.

Gott loben und Gerechtigkeit üben

Im Abschlussgottesdienst legten evangelische, katholische, orthodoxe und freikirchliche Geistliche den Lobgesang der Maria (Magnificat) aus. Der amtierende EKD-Ratsvorsitzende, Präses Nikolaus Schneider (Düsseldorf), erinnerte daran, dass die Kirchentagsteilnehmer auf dem Treffen „im Namen Gottes nach Recht und Gerechtigkeit gesucht und gefragt“ hätten. Aber es fehle vielfach an Konsequenz und der Bereitschaft, selbst zurückzustecken. Schneider: „Die Hungernden sollen gesättigt werden – aber ohne dass wir Reichen dafür hungern. Die Schwachen sollen mitreden – aber ohne dass wir Starken den Mund halten.“ Gut situierte Christenmenschen träumten nicht von der Umkehrung aller Verhältnisse, sondern allenfalls von friedlicher Veränderung.

Ein Lob der Dankbarkeit

Nach den Worten des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Zollitsch, haben Christen auch heute Grund, Gott zu loben und ihm zu danken. Dankbarkeit stärke die Gemeinschaft und mache offen für die Mitmenschen. Dankbare Christen würden zu Menschen, deren Glaube andere anstecke und überzeuge.

Missbrauchsopfer zum Dulden gezwungen

Die Bischöfin der Evangelisch-methodistischen Kirche, Rosemarie Wenner (Frankfurt am Main), kritisierte, dass Schwache von den Starken auch in der Kirche oft zum Dulden beschwichtigt würden. Mit „Scham und Erschrecken“ habe man von Menschen gehört, die in kirchlichen Einrichtungen missbraucht wurden. „Gott sei Dank“ brächen heute viele ihr Schweigen.

Gottesfurcht bringt Weisheit hervor

Der griechisch-orthodoxe Metropolit Augoustinos (Bonn) bedauerte, dass die Gottesfurcht heute nicht mehr zu den wichtigsten Werten zähle. Doch sei nach biblischer Aussage „die Furcht des Herrn der Anfang der Weisheit“. „Beides muss zusammenkommen“, so Augoustinos, „sein Heiligsein und unsere Heiligung“.