19. November 2017

EKD-Ratsvorsitzender: Ökumenische Leidenschaft flaut ab

Quelle: idea.de

Der amtierende EKD-Ratsvorsitzende, Präses Nikolaus Schneider. Foto: 2. ÖKT/Jardine

Der amtierende EKD-Ratsvorsitzende, Präses Nikolaus Schneider. Foto: 2. ÖKT/Jardine

München (idea) – Die ökumenische Leidenschaft ist abgeflaut. Die Kirchen haben heute mehr mit Strukturfragen zu tun. Diese Ansicht vertrat der amtierende EKD-Ratsvorsitzende, Präses Nikolaus Schneider (Düsseldorf), am 14. Mai bei einer Podiumsdiskussion auf dem 2. Ökumenischen Kirchentag in München.
 

Kritisch äußerte er sich zum Standpunkt der römisch-katholischen Kirche, die evangelische Kirche sei „nicht Kirche im eigentlichen Sinne“, sondern eine kirchliche Gemeinschaft. Schneider: „Der Papst hat nicht das Recht zu entscheiden, ob wir Kirche sind oder nicht. Das entscheidet jemand anderes.“ Er wolle sich darüber nicht aufregen, aber ein Stich sei schon da, so Schneider. Seine Freude über die Ökumene werde dadurch getrübt. Schneider verglich die Ökumene mit einem Langstreckenlauf: Manchmal denke man, man müsse aufgeben. Er hoffe aber, dass es eine „zweite Luft“ gebe.

Zollitsch enttäuscht von Rückschlägen

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch (Freiburg), sagte, er sei dankbar für das gemeinsame Zeugnis des Ökumenischen Kirchentags. Es könne jedoch auch Rückschläge geben. So sei er enttäuscht, dass einige evangelische Professoren die 1999 zwischen Lutherischem Weltbund und römisch-katholischer Kirche vereinbarte Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre kritisiert hatten. Auch eine neue gemeinsame Bibelübersetzung sei nicht zustande gekommen. Manchmal gebe es zwischen den Kirchen eine Konkurrenz, die nicht aus der Liebe Christi komme, sondern nur menschlich zu verstehen sei. Er habe jedoch die Hoffnung, dass noch zu seinen Lebzeiten Gott überraschend wirke. Zollitsch äußerte sich auch zur Frage, ob man konfessionsverschiedene Ehepaare zur Eucharistie zulassen solle. Hier sei er auf viel Verständnis bei Kollegen in Deutschland und in Rom gestoßen. Er werde „weiter nachbohren“.

Gemeinsames Wort zur wirtschaftlichen Lage?

Schneider und Zollitsch stimmten darin überein, dass die Ökumene trotz der Schwierigkeiten alternativlos sei. Beide zeigten sich zudem offen für ein neues gemeinsames Wort der Kirchen zur wirtschaftlichen Lage. Bereits 1997 hatten der Rat der EKD und die Deutsche Bischofskonferenz ein Wort zur wirtschaftlichen und sozialen Lage in Deutschland veröffentlicht.