19. November 2017

Einheit der Kirchen ist „nicht Kür, sondern Pflicht“

Quelle: idea.de

Alfred Buß spricht bei Pfingstempfang der Katholiken in Paderborn. Foto: Reinhard Elbracht

Alfred Buß spricht bei Pfingstempfang der Katholiken in Paderborn. Foto: Reinhard Elbracht

Paderborn (idea) – Der Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Alfred Buß (Bielefeld), hat den ökumenischen Weg von Protestanten und Katholiken als unumkehrbar bezeichnet.
 

Die Einheit der Kirchen sei „nicht Kür, sondern Pflicht – sie ist uns von Christus vorgegeben“, sagte er am 28. Mai beim Pfingstempfang des Diözesankomitees Paderborn. Buß bemängelte, dass gemeinsame und vollwertig anerkannte Sonntagsgottesdienste sowie ein gemeinsames Abendmahl noch nicht möglich sind. Evangelisch-katholische Ehen und Familien könnten somit „nicht zu einer gemeinsamen kirchlichen Heimat finden“. Diese Trennung bestimme das christliche Leben vieler in Familie und Partnerschaft wie auch in der persönlichen Frömmigkeit. „Christenmenschen leiden unter den Folgen der Kirchenspaltung“, sagte der Präses. Das ökumenische Problem schlechthin liegt für Buß in der Frage der vollen wechselseitigen Anerkennung als Kirche. Nach offizieller katholischer Position sind die Kirchen der Reformation lediglich Gemeinschaften, denen „kirchliche Elemente“ zugebilligt werden. Dies wurde zuletzt vor zehn Jahren in der Erklärung „Dominus Iesus“ bestätigt, die von der römisch-katholischen Glaubenskongregation herausgegeben wurde. Ihr sei kein Vorwurf zu machen, dass sie ihren Finger in die Wunde gelegt habe, sagte Buß: „Wohl muss man ihr aber ankreiden, dass sie das ökumenische Problem wiederholt konstatiert, ohne auch nur anzudeuten, dass wir seit vier Jahrzehnten auf dem Weg sind.“ Genau dieses offizielle Ignorieren des schon Erreichten löse Empörung aus – nicht nur auf evangelischer Seite.

Für eine „Kultur der Achtsamkeit“

Der Präses warb für eine „Kultur der Achtsamkeit“ zwischen den Konfessionen. Dies schließe gegenseitiges Verständnis, die Überwindung von Vorurteilen, Versöhnungsbereitschaft, gegenseitige Hilfe und Solidarität in der Not ein. Eine Abwertung ökumenischer Partner dürfe es nicht geben: „Wer sich durch einen Ausschließlichkeitsanspruch absondert, verlässt den ökumenischen Weg.“ Gleichzeitig sprach der Kirchenleiter aber auch von „überwältigenden Erfolge“ in der ökumenischen Bewegung. Als Beispiele nannte er die Trauung konfessionsverbindender Paare durch Pfarrer beider Kirchen, ökumenische Gemeindefeste oder die Zusammenarbeit in der Telefonseelsorge. Außerdem lobte Buß die ökumenischen Gemeindepartnerschaften vor Ort.