22. November 2017

Die CDU driftet nicht nach links

Quelle: idea.de

Hermann Gröhe: Christlich ist nicht gleich rechtskonservativ.

Hermann Gröhe: Christlich ist nicht gleich rechtskonservativ.

Berlin (idea) – Die CDU driftet nicht nach links ab. Dieser Ansicht ist der Generalsekretär der Partei, Hermann Gröhe (Berlin). Damit wandte er sich gegen die Behauptung von Unionsmitgliedern, die in einem Anfang des Jahres veröffentlichen Manifest ihrer Partei einen Linkstrend vorgeworfen hatten.
 

Wie Gröhe am 20. Mai vor rund 200 Teilnehmern der „Tage der Begegnung“ in Berlin sagte, wünschten die Unterzeichner dieses Papiers, dass die Union weiter nach rechts rücke. Die CDU sei aber eine Volkspartei der Mitte. Die von ihr vertretenen christlichen Werte dürfe man nicht mit „rechtskonservativ“ gleichsetzen. Es handele sich um „einladende Werte“, die auch Nichtchristen vertreten könnten. Gerade in ethischen Fragen wie beispielsweise der Diskussion um die aktive Sterbehilfe gelte es, nicht nur „aktive Kirchgänger“ mit ins Boot zu holen, sondern alle, denen die Würde des Menschen am Herzen liege.

Für den Glauben einstehen

Gröhe ermunterte die jungen Christen dazu, die Freiheit in Deutschland zu nutzen, um ihren Glauben zu bezeugen. „In kaum einem anderen Land der Welt gehört so wenig Mut dazu, sich zu seinem christlichen Glauben zu bekennen wie bei uns“, sagte das langjährige EKD-Ratsmitglied. Im schlimmsten Fall werde man für seine Überzeugungen verlacht oder kritisiert. Niemand riskiere aber seinen beruflichen Werdegang, weil er beispielsweise an der Schule einen Bibelkreis gründet. Die zunehmende Entchristlichung der Gesellschaft sollte kein Grund zum Klagen sein, sondern Motivation, für den Glauben einzustehen.

FDP-Politiker: Der Glaube gibt Kraft

Der haushaltspolitische Sprecher und Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion, Otto Fricke, gab sich angesichts der Griechenland-Krise sehr nachdenklich: Er wisse nicht, ob das Milliardenhilfspaket der EU und des Internationalen Währungsfonds „die beste Lösung ist, aber ich finde im Moment keine bessere“. Gerade in diesen turbulenten Tagen gebe ihm der christliche Glaube Kraft. In ethischen Entscheidungen wie beispielsweise der Forschung mit Embryonen oder der Spätabtreibung sei er eine klare Richtschnur. Auch in anderen Situationen schaue er immer wieder „im Internet in der Bibel“, um Orientierung zu finden.

Röslers überraschender Ortswechsel

Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) berichtete bei dem Treffen über seinen überraschenden politischen Aufstieg: Eigentlich habe er es sich in Niedersachsen gut eingerichtet gehabt, sagte der ehemalige niedersächsische Wirtschaftsminister. Während im Herbst vergangenen Jahres die schwarz-gelben Koalitionsverhandlungen in Berlin liefen, habe er sich mit seiner Frau ein Haus in Hannover gekauft. Drei Tage später sei ein Anruf von Guido Westerwelle gekommen, der ihn nach Berlin „beorderte“. Die Trennung von seiner Frau und den zwei Kindern sei „das Schwierigste an dem ganzen Amt“. Mittwochs fahre er deshalb immer nach Hause, um seine Familie zu sehen. Am Donnerstag gehe es dann wieder für zwei Tage in die Hauptstadt.

Nach dem Studium Christ geworden

Rösler hatte sich vor zehn Jahren für ein Leben als Christ entschieden. Damals sei er im Krankenhaus nach seinem Medizinstudium mit den Themen Leid, Tod und Sterben konfrontiert worden. Als er die Krankenschwestern gefragt habe, wie sie damit klar kämen, verwiesen sie auf ihren Glauben. Nachdem er im Gespräch mit seiner damaligen Freundin und heutigen Frau mehr über das Christentum erfuhr, ließ er sich taufen und wurde Mitglied in der katholischen Kirche. Auch heute gehe er regelmäßig in die Kirche und engagiere sich in seiner Gemeinde.

Für ein „fröhliches Christentum“

Die Bundestagsvizepräsidentin und Präses der EKD-Synode Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen) ermutigte die Teilnehmer zu einem „fröhlichen Christentum“. Auch in wirtschaftlich schweren Zeiten habe man Grund dazu. „Wir haben die Gelegenheit von Jesus Christus zu erzählen.“ Diese Chance solle man auch gerade in diesen Tagen wahrnehmen. Die „Tage der Begegnung“ werden seit 19 Jahren von einem überparteilichen und überkonfessionellen Kreis von Bundestagsangeordneten veranstaltet, die zum Gebetsfrühstückskreis des Bundestags gehören. In diesem Jahr hatten neben Göring-Eckhardt, Fricke und Gröhe auch der SPD-Abgeordnete Dietmar Nietan zu dem Treffen eingeladen. Er konnte aufgrund der laufenden Koalitionsverhandlungen in Nordrhein-Westfalen jedoch nicht teilnehmen.