19. November 2017

„Der Heilige Geist setzt sich am Ende durch …“

Quelle: idea.de

München (idea) – Wie kann es Kirchen und Gemeinden besser gelingen, spirituell Suchenden eine geistliche Heimat zu geben? Darüber diskutierten Theologen auf dem 2. Ökumenischen Kirchentag in München.
 

Die Veranstaltung am 13. Mai war von der evangelischen Geistlichen Gemeindeerneuerung und der katholischen Charismatischen Erneuerung gemeinsam vorbereitet worden. Der katholische Wiener Pastoraltheologe Prof. Paul W. Zulehner vertrat die Ansicht, dass Gott mit seinem Geist nicht nur unter Christen, sondern auch an säkularen Menschen wirke. Zwar gebe es keinen Anlass zur Euphorie hinsichtlich des spirituellen Interesses in der Bevölkerung. Aber es sei spürbar, dass sich viele Menschen nach Gemeinschaft und innerer Heilung sehnten. Um Suchende zu gewinnen, sei es nötig, dass die Kirche von ihrer „moralisierenden Grundströmung“ wegkomme. Sie müsse sich zu einer Gemeinschaft entwickeln, in der sich Menschen gut aufgehoben fühlten und heilende Erfahrungen machten. Im Blick auf notwendige Veränderungen sagte Zulehner: „Der Heilige Geist wird sich am Ende durchsetzen, auch wenn wir ihn noch so stören.“ Der Theologe ermunterte die charismatischen Kreise in den Volkskirchen, als Mutmacher und „spirituelle Trüffelschweine“ zu fungieren, „die aufspüren, wo Gottes Geist am Werk ist“. In diesem Zusammenhang vertrat er die Ansicht, dass auch „der Aufbruch der Frauen und das Ringen um Gerechtigkeit“ ein Wirken des Geistes sei.

Menschen in der Kirche nicht „zutexten“

Der Sprecher des Kreises Charismatischer Leiter in Deutschland, der Baptistenpastor Heinrich-Christian Rust (Braunschweig), kritisierte die Wortlastigkeit in den meisten Kirchen. In charismatisch geprägten Gemeinden würden die Menschen nicht nur „zugetextet“, sondern erlebten, wie Gottes Geist unmittelbar wirke. So machten sie die Erfahrung der Heilung. „Menschen gehen anders aus dem Gottesdienst, als sie gekommen sind“, so Rust. Der Leiter des EKD-Zentrums Mission in der Region, Pfarrer Hans-Hermann Pompe (Dortmund), vertrat die Ansicht, dass die Kirche vor enormen Veränderungen stehe. Allerdings gebe es noch viel „Veränderungsresistenz“. Die Kirche der Zukunft werde ärmer sein und weniger Privilegien haben, aber dafür mehr auf die Stimme Gottes hören. Engere finanzielle Spielräume seien für das evangelistische Wirken nicht von Nachteil: „Zu viel Geld macht Mission überflüssig.“ Gemeindepfarrerin Monika Deitenbeck-Goseberg (Lüdenscheid) bezeichnete den Heiligen Geist als „Tröster, Zurechtrücker und Lebendigmacher“. Durch ihn bleibe Gemeinde in Bewegung: „Nichts ist so kontinuierlich wie der ständige Umbruch.“

Gemeinde als Magnet für Menschen in schwierigen Lebenslagen

Wie die Pfarrerin weiter sagte, habe sich ihre Gemeinde zu einem „Magneten für Menschen mit Problemsituationen“ entwickelt. So kämen Behinderte, psychisch Kranke und Obdachlose. Die Zahl der Besucher habe sich seit den neunziger Jahren von durchschnittlich 60 bis 70 auf jetzt 250 bis 300 erhöht. Sie führte dies unter anderem auf das treue Gebet kleiner Gruppen in der Gemeinde zurück.