18. November 2017

Christlicher Glaube soll in Gesellschaft hineinwirken

Quelle: idea.de

München (idea) – Der christliche Glaube ist nicht nur Privatsache, sondern möchte in die Gesellschaft hineinwirken. Das sagte der amtierende EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider (Düsseldorf) beim Empfang des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU am 12. Mai in München.
 

Vom ökumenischen Kirchentag erhoffe er sich wichtige Impulse, so Schneider. Mit Blick auf die aktuelle Finanzkrise erklärte er, es dürfe nicht sein, dass Spekulanten Milliarden verdienen, wenn sie Millionen von Menschen durch Spekulationen vor sich her trieben. Hier müssten Christen ihre Stimme erheben. Gleiches erwarte er hinsichtlich der Sonntagsruhe. Ein regelmäßiger Rhythmus zwischen Arbeit und Ruhe sei gottgewollt und lebensnotwendig. Deshalb dürfe es Christen nicht egal sein, wenn die Sonntagsruhe in vielen Teilen Deutschlands immer mehr ausgehöhlt und dem Konsum geopfert werde. An die Vertreter der Politik gewandt versicherte Schneider, sie dürften sich der Gebete vieler Christen sicher sein: „Wir Christen sind hier nicht als Lobbyisten, sondern weil wir im Gebet für ihre Arbeit eintreten.“

Seehofer: Ja zu Aufklärung, Nein zu Vorverurteilung

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer sagte, man könne die Kirche nur beglückwünschen, dass sie es schaffe, mehr als hunderttausend Menschen zusammenzubringen, die bereit sind, in der Gesellschaft Verantwortung zu übernehmen. „Wir können stolz sein, dass der Glaube solche Kraft hat“, so der Politiker. Er freue sich, dass der Ökumenische Kirchentag in Bayern zu Gast sei, wo die Menschen „noch konservativer und wertverbundener sind als in anderen Teilen Deutschlands“. Mit Blick auf in den letzten Wochen bekannt gewordene Fälle von Missbrauch in der Kirche sagte Seehofer, er sei für eine lückenlose Aufklärung. Allerdings entspreche nicht jede Mutmaßung der Realität. „Deshalb sage ich Ja zur Aufklärung und Nein zu einer Vorverurteilung.“

Rachel: Uns eint mehr als uns trennt

Der Bundesvorsitzende des EAK, der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Rachel, betonte, dass die Gesellschaft das Wort der Kirchen brauche, weil es Orientierung und Richtung gebe. „Als Christ in der Politik bin ich Ihnen dankbar, dass Sie sich in ethischen Fragen zu Wort melden“, sagte er. Um als Christen on der Gesellschaft überzeugend zu leben, sei ein gutes Miteinander von Protestanten und Katholiken unverzichtbar. Deshalb sei der Ökumenische Kirchentag von großer Bedeutung. „Uns eint mehr als uns trennt“, so Rachel.

Zollitsch: EAK ist Garant für den Dialog

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, erklärte, der Dialog zwischen den Religionen und den Konfessionen sei in einer globalisierten Welt wichtiger denn je. Den EAK würdigte er als einen „Garanten für den Dialog“. Der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx, ermutigte junge Christen, sich politisch zu engagieren. Das „C“ im Namen der CDU stehe keinesfalls für Rückwärtsorientierung. Es sei „die innovativste und produktivste Kraft“ für eine Partei, da es ein „neues Koordinatensystem der unzerstörbaren Liebe Gottes“ biete. Innenminister Thomas de Maizière überbrachte den Gästen die Grüße der Regierung. Mit Blick auf das Kirchentagsmotto „Damit ihr Hoffnung habt…“ erklärte er: „Wir in der Regierung brauchen dieses Motto und schöpfen daraus Kraft.“ Der EAK ist der Zusammenschluss aller evangelischen Unionsmitglieder, die wegen ihres Glaubens und seiner Grundlagen in den Unionsparteien einen Beitrag zu einer vor Gott und den Menschen verantworteten Politik leisten wollen. Er versteht sich als Brückenbauer zwischen Partei, Kirche und Gesellschaft.