18. November 2017

Christlich-muslimischer Dialog muss ausgebaut werden

Quelle: idea.de

Der bayerische Landesbischof und Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Johannes Friedrich. Foto: ÖKT/Nadine Malzkorn

Der bayerische Landesbischof und Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Johannes Friedrich. Foto: ÖKT/Nadine Malzkorn

München (idea) – Für eine Intensivierung des christlich-muslimischen Dialogs haben sich Teilnehmer eines Podiumsgesprächs am 15. Mai auf dem Ökumenischen Kirchentag in München ausgesprochen.
 

Die interreligiöse Arbeit dürfe nicht länger nur vom persönlichen Engagement einzelner abhängig sein, erklärte der bayerische Landesbischof und Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Johannes Friedrich (München). In weiten Teilen der Gesellschaft – besonders unter Christen – gebe es Berührungsängste und viel Unwissen über den Islam. Er plädierte für Begegnungen von Christen und Muslimen an der Basis: „Nur so können Angst und Vorurteile abgebaut werden.“ Ziel des Dialogs sei ein Zusammenleben in Klarheit und guter Nachbarschaft.

Landesbischof: Religionsfreiheit nicht verhandelbar

Religionsfreiheit sei nicht verhandelbar, betonte Friedrich. Deshalb führten Argumentationen in die Irre, wonach Muslime in Deutschland nur dann Moscheen errichten dürfen sollten, wenn es etwa auch Christen in Saudi-Arabien erlaubt sei, ihren Glauben dort zu praktizieren. Der Moscheebau in Deutschland oder auch der islamische Religionsunterricht an deutschen Schulen dürften nicht von der Situation der Christen in anderen Ländern abhängig gemacht werden, so Friedrich. Er sei allerdings dankbar, wenn in Deutschland lebende Muslime sich auch für die Religionsfreiheit von Christen in islamisch geprägten Ländern einsetzten.

Muslime: Islam ist in Deutschland nur ein Randthema

Der Generalsekretär des Zentralrates der Muslime in Deutschland, Aiman A. Mazyek (Köln), kritisierte, dass der Islam in Deutschland nach wie vor nur als Randthema in der Ausländerpolitik verortet werde. Das sei ein Skandal. Viele Muslime lebten bereits in der dritten Generation in Deutschland: „Wir sind ein Teil dieses Landes.“ Religiöse Verschiedenheit sei in Deutschland inzwischen die Regel. Doch Politik und Medien stellten sie nach wie vor als Ausnahme dar. Aus diesem Grund habe der Zentralrat der Muslime auch seine Teilnahme an der Deutschen Islamkonferenz abgesagt, die am 17. Mai in Berlin beginnt. Ziel des Zentralrats sei die vollständige und gleichberechtigte Anerkennung des Islam in Deutschland, sagte Mazyek. Solange der Islam aber nur unter dem Thema Integrations- und Ausländerpolitik behandelt werde, sei eine Teilnahme an dieser Konferenz „Ressourcenverschwendung“. Die vor knapp vier Jahren vom damaligen Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) gegründete Deutsche Islamkonferenz (DIK) ist das zentrale Gremium der Bundesregierung, um über die Integration der etwa vier Millionen Muslime in Deutschland zu sprechen.

Keine Alternative zum christlich-muslimischen Dialog

Der katholische Weihbischof des Erzbistums Hamburg, Hans-Jochen Jaschke, sagte, es gebe keine Alternative zum christlich-muslimischen Dialog. Auch die katholische Kirche habe erkennen müssen, dass sich Wahrheit und Zwang nicht vertragen. „Auch wenn wir von unserem Glauben überzeugt sind, so können wir ihn niemandem aufzwingen, wie das in vergangenen Jahrhunderten zum Teil geschehen ist“, so Jaschke. Muslime müssten ihren Glauben in Deutschland frei ausleben können.