18. November 2017

Bundespräsident ermutigt Kirchen zur Mission

Quelle: idea.de

Bundespräsident Horst Köhler: Kämpfen Sie um jeden Einzelnen! Foto: PR

Bundespräsident Horst Köhler: Kämpfen Sie um jeden Einzelnen! Foto: PR

Bonn (idea) – Bundespräsident Horst Köhler hat die Kirchen aufgerufen, „eine neue Innere Mission zu beginnen“. Sie hätten „einen Auftrag von Gott, seine Botschaft zu vermitteln“, sagte er in einem Interview der Wochenzeitung „Rheinischer Merkur“ (Bonn) im Vorfeld des 2. Ökumenischen Kirchentages.
 

Das Treffen findet vom 12. bis 16. Mai in München statt. Die Botschaft Gottes sei etwas Gutes, „weil sie den Menschen hilft“. Köhler: „Meine Bitte an die christlichen Kirchen ist: Kämpfen Sie um jeden Einzelnen.“ Über seinen eigenen Glauben sagte das Staatsoberhaupt: „Das Christsein gibt mir Verwurzelung, Werte und lehrt mich vor allem Demut. Ich weiß, dass ich nicht auf alles letzte Antworten habe. Der Glaube an Gott gibt mir aber Grundzuversicht, und aus dem christlichen Glauben schöpfe ich Orientierung.“

Kritik an Generalverdacht gegen Priester

Köhler äußerte sich auch zum Missbrauchskandal in kirchlichen Einrichtungen. Die Täter hätten Vertrauenspositionen missbraucht und Schutzbefohlenen Böses zugefügt. „Dieses Thema muss ehrlich und schonungslos aufgearbeitet werden. Die Kirche insbesondere muss Buße tun und transparent werden.“ Zugleich wandte sich der Bundespräsident dagegen, katholische Priester oder Lehrern an Reformschulen einem Generalverdacht auszusetzen: „Das hat sachlich keine Grundlage und ist menschlich inakzeptabel.“ Er habe die katholische Kirche als Weltkirche erfahren und in Afrika und Lateinamerika Priester erlebt, „die in einem „Chaos von Not und Elend ihren Auftrag erfüllt und den Menschen wahrlich Hoffnung gegeben haben“, so Köhler. Auch ihn als Protestanten bedrücke es, wie durch die jetzige Diskussion die katholische Kirche generell in Misskredit gebracht werde. Missbrauch finde in 80 bis 90 Prozent der Fälle in der Familie statt. Köhler: „Das heißt, wir haben ein tiefgehendes gesellschaftliches Problem. Dem müssen wir uns widmen, anstatt die derzeitige Situation auszunutzen, um alte Vorurteile über der Kirche oder über reformpädagogischen Konzepten auszukippen.“ Gleichwohl äußerte Köhler den Wunsch, dass die katholische Kirche sich zu einer Reformkirche entwickelt, etwa bei Fragen der Sexualmoral sowie der Rolle von Laien und Frauen in der Kirche.