21. November 2017

Bevölkerungsrückgang: Kritik an Familienpolitik

Quelle: idea.de

Die Deutsche Evangelische Allianz fordert einen Krisengipfel im Kanzleramt. Foto: Pixelio/Klicker

Die Deutsche Evangelische Allianz fordert einen Krisengipfel im Kanzleramt. Foto: Pixelio/Klicker

Wiesbaden/Stuttgart/Münster (idea) – Scharfe Kritik an der Familienpolitik der Bundesregierung üben die Deutsche Evangelische Allianz und die Christdemokraten für das Leben (CDL). Anlass sind die neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden zur Bevölkerungsentwicklung.
 

Demnach ging die Zahl der Geburten im vergangenen Jahr um 3,6 Prozent auf 651.000 zurück. Da gleichzeitig 842.000 Menschen starben (-0,2 Prozent gegenüber 2008), verlor Deutschland im vergangenen Jahr knapp 190.000 Einwohner. Im Jahr zuvor lag der Saldo aus Geburten und Sterbefällen bei 162.000. Seit 2003 ist die Einwohnerzahl stetig gesunken. Nun liegt sie bei 81,7 Millionen Einwohnern. Der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb (Stuttgart), forderte angesichts dieser Zahlen einen Krisengipfel im Kanzleramt. „Der Offenbarungseid ist zu offensichtlich, dass die Familienpolitik seit Jahrzehnten das natürliche Ziel verfehlt: Mut zum Kind, Mut zur Familie“, sagte Steeb auf idea-Anfrage. Es müssten nun andere Ratgeber her, die sich in Sachen Familienpolitik „nicht mehr von nur vordergründigen Interessen der Wirtschaftspolitik leiten lassen“. Die Erziehung von Kindern brauche Zeit. Wer sich vollzeitlich Zeit für seinen Nachwuchs nehme, sollte nicht mehr länger mitleidig begleitet, wirtschaftlich benachteiligt oder sozialrechtlich diskriminiert werden.

CDL fordert „radikales Umdenken“

Die stellvertretende Bundesvorsitzende der Christdemokraten für das Leben (CDL), Odila Carbanje (Münster), forderte ein „radikales Umdenken“ in der Familienpolitik. Zwar sei es richtig, wenn Bundesfamilienministerien Kristina Schröder (CDU) als Grund für den Geburtenrückgang angebe, dass die Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter allein in den letzten vier Jahren um eine halbe Million zurückgegangen ist. Eine Ursache für diese Entwicklung seien jedoch die etwa acht Millionen Abtreibungen seit 1975. Zudem müsse sich Schröder fragen lassen, warum die weiterhin sinkenden Jahrgangszahlen der Gebärfähigen nicht schon als Ursache für die sinkenden Abtreibungszahlen genannt werden. Hier feiere man den minimalen Rückgang um drei Prozent gegenüber 2008 auf 110.700 im Jahr 2009 als politischen Erfolg, weil die Instrumente des Paragraphen 218 zum Schutz des ungeborenen Kindes angeblich griffen. „Diese Aussagen sind eine bewusste Irreführung der Öffentlichkeit. Es kann nicht sein, dass man Fakten nur dann gelten lassen will, wenn es zur Erklärung der eigenen Politik dienlich erscheint. Geburten und Abtreibungen müssen im Verhältnis gesehen werden“, so Carbanje. Das Statistische Bundesamt sollte künftig die Zahlen zeitgleich veröffentlichen, fordert er. So würde unmittelbar deutlich, „dass die deutsche Familienpolitik gescheitert ist und dass im Interesse einer gestärkten Zukunft von Familien und Kindern ein familienpolitischer Neuanfang geboten ist“.