18. November 2017

Auch Christen und Juden gehören zur Türkei

Quelle: idea.de

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan.

Ankara (idea) – Die Türkei will ihre nicht-muslimischen Minderheiten besser schützen. Das sieht ein Runderlass des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan vor. Das Schreiben wurde am 13. Mai im türkischen Staatsanzeiger veröffentlicht.
 

Darin wies der Regierungschef alle staatlichen Stellen an, die Rechte der christlichen und jüdischen Minderheiten zu achten, ihre Geistlichen respektvoll zu behandeln und entschieden gegen hetzerische wie diskriminierende Veröffentlichungen vorzugehen. Die nicht-muslimischen Bürger seien ein untrennbarer Teil der Türkischen Republik und müssten nach dem Gleichheitsgrundsatz der Verfassung ebenso ihre Kultur und ihre Identität bewahren können wie alle anderen Bürger des Landes, heißt in Erdogans Erlass.

Friedhöfe besser schützen, enteignete Grundstücke zurückgeben

Trotz Verbesserungen durch die Reformen der letzten Jahre gebe es in der Praxis noch Probleme, kritisierte der Regierungschef. Gerichtsurteile zur Rückgabe von enteignetem Grundbesitz an nicht-moslemische Gemeinden müssten zügig umgesetzt werden, so das Schreiben. Die Kommunen werden Pressemeldungen zufolge angewiesen, die nicht-muslimischen Friedhöfe sorgfältig zu schützen und zu pflegen. Nicht-muslimische Bürger der Türkei müssten sich als vollwertige Bürger des Landes fühlen können und dürften nicht benachteiligt werden, so Erdogan. Über 95 Prozent der 72 Millionen Einwohner der Türkei sind Muslime. Von den rund 120.000 Christen gehören etwa 4.000 zu evangelikalen Gemeinden. Die Zahl der in der Türkei lebenden Juden wird auf 26.000 geschätzt. Gegenüber idea wollte ein Sprecher der türkischen Botschaft in Berlin den Erlass nicht bestätigen. Wegen des Feiertages am 13. Mai habe die Botschaft an dem Tag nicht gearbeitet.