21. November 2017

Antisemiten keine Plattform geben

Quelle: idea.de

Der „Evangeliumsdienst für Israel“-Vorsitzende, Pfarrer Joachim Rieger: Evangelische Akademie soll „Friedenstagung“ mit Hamas-Vertreter streichen. Foto: PR

Der „Evangeliumsdienst für Israel“-Vorsitzende, Pfarrer Joachim Rieger: Evangelische Akademie soll „Friedenstagung“ mit Hamas-Vertreter streichen. Foto: PR

Echterdingen (idea) – Den Protesten gegen eine Tagung der Evangelischen Akademie Bad Boll hat sich der „Evangeliumsdienst für Israel“ (Echterdingen bei Stuttgart) angeschlossen. Die Akademie führt im Juni eine Tagung zur Situation im Nahen Osten durch, zu der sie Vertreter der Palästinenserorganisationen Fatah und Hamas als „Friedenspartner“ eingeladen hat.
 

Nach Auskunft der Akademie bekommt der Hamas-Vertreter jedoch kein Einreisevisum. Die radikal-islamische Hamas wird von der EU und den USA als Terrororganisation angesehen, weil sie das Existenzrecht Israels satzungsgemäß verneine und den Staat Israel mit Attentaten bekämpfe. Laut „Evangeliumsdienst“ erkennt auch die Fatah Israel als „jüdischen Staat“ nicht an. Deshalb befürchten der Vorsitzende, Pfarrer Joachim Rieger (Mössingen bei Tübingen), und Geschäftsführer Hartmut Renz, „dass durch diese Tagung zwei der grimmigsten antisemitischen Organisationen unserer Tage eine Plattform erhalten, auf der sie als angebliche ,Partner für den Frieden’ salonfähig gemacht und verharmlost werden“. Der „Evangeliumsdienst“ appelliert an die Akademie und die württembergische Landeskirche, die Tagung ersatzlos zu streichen. Diese Forderung hatte bereits der Gesprächskreis „Lebendige Gemeinde“ in der württembergischen Landessynode erhoben.

Besorgnis auch in Israel

Massive Kritik hatte auch der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, der frühere CDU-Politiker Johannes Gerster (Mainz), geäußert. Er habe den Eindruck, die Hamas solle hoffähig gemacht werden, schrieb er an den amtierenden EKD-Ratsvorsitzenden, Präses Nikolaus Schneider (Düsseldorf). Mit solchen Tagungen würden „die kompromissunfähigen Hamas-Leute eher ermuntert, den Kampf gegen Israel so lange fortzusetzen, bis der letzte Jude Palästina tot oder lebendig verlassen hat“. Die Bundeszentrale für politische Bildung lehnt eine Unterstützung der Tagung ab. Sie habe nach Prüfung des Programms festgestellt, dass die Förderung einer Veranstaltung mit einem Hamas-Vertreter durch die Bundeszentrale nicht in Betracht komme, teilte ihr Sprecher Daniel Kraft (Bonn) idea mit. In Israel fragten mehrere Zeitungen besorgt, ob sich die deutsche Haltung gegenüber der Hamas geändert habe.