21. November 2017

Wann erfuhr Landesbischof Friedrich von Missbrauch?

Quelle: idea.de

Laut Zeitung reagierte er nicht auf Berichte über „Streichel-Therapie“.

Laut Zeitung reagierte er nicht auf Berichte über „Streichel-Therapie“.

Nürnberg/München (idea) – Wann hat der bayerische Landesbischof Johannes Friedrich (München) als früherer Nürnberger Dekan erstmals von sexuellem Missbrauch in einem Diakonie-Jugendheim erfahren? Er war von 1991 bis 1999 Dekan und in dieser Eigenschaft auch Vorsitzender des Martin-Luther-Hauses.
 

1996 habe er den damaligen Heimleiter versetzt, nachdem dieser während einer Freizeit mit einer Jugendlichen in einem Zelt übernachtet hatte, sagte Friedrichs Sprecher Johannes Minkus gegenüber idea. Auch habe Friedrich die Heimaufsicht eingeschaltet und die Mitarbeitervertretung informiert. Gegen die disziplinarische Maßnahme hätten mehr als 100 Mitarbeiter des Martin-Luther-Hauses protestiert. An einen weiter zurückliegenden Vorfall, über den die Nürnberger Nachrichten jetzt berichteten, könne sich Friedrich nicht erinnern. Der Zeitung zufolge habe eine heute 41 Jahre alte Frau, die als junges Mädchen in dem Heim gelebt hatte, damals Friedrich von der „Streichel-Therapie“ des Heimleiters berichtet, ohne dass es zu Konsequenzen geführt habe. Der Pädagoge habe Mädchen in sein Büro gerufen und sie mit der Hand am Po und zwischen den Beinen angefasst. Laut Minkus werde sich Friedrich am 13. April mit der Frau treffen, um Einzelheiten zu klären. Es sei aber „unlogisch“, dass Friedrich von der „Streichel-Therapie“ zwar gewusst, aber nicht reagiert haben soll. Denn bei dem späteren Freizeit-Vorfall habe er schnell und hart durchgegriffen. Das Martin-Luther-Haus – eine Einrichtung der Nürnberger Stadtmission – hat sich auf Hilfen für Kinder mit hohem sozial-emotionalen Förderbedarf spezialisiert.