21. November 2017

„Viel Verlogenheit“ in der Missbrauchsdebatte

Quelle: idea.de

„Spiegel“-Redakteur Matthias Matussek: Humanistische Union propagierte früher Sex mit Kindern. Foto: Wikipedia/Melanie Feuerbacher

„Spiegel“-Redakteur Matthias Matussek: Humanistische Union propagierte früher Sex mit Kindern. Foto: Wikipedia/Melanie Feuerbacher

Hamburg (idea) – Gegen einseitige Schuldzuweisungen an die katholische Kirche im Missbrauchsskandal hat sich der „Spiegel“-Redakteur Matthias Matussek (Hamburg) gewandt. Zwischen Zölibat und Pädophilie gebe es keinen Zusammenhang.
 

„Ich glaube im Gegenteil, dass der Zölibat diese Verbrechen eher verhindert, weil er eine zusätzliche moralische Sperre aufrichtet“, schreibt der Katholik in seinem Internetblog. Matussek: „Es ist viel eher die kirchenfeindliche Partei der Gegenseite, die Humanistische Union, der Grünen-Politikerinnen wie Claudia Roth und Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) angehören, die noch in den achtziger Jahren umstandsfreien Sex mit 12-Jährigen propagierte.“ Es sei gewaltig viel Verlogenheit im Raum: „Jeder eifernde Idiot, der schon immer auf der Kirche herumtrampeln wollte, darf es nun unbefangen tun.“ Anlass für die Äußerungen war eine Gesprächsrunde in der ARD-Sendung „Anne Will“ am 11. April, an der auch der Matussek teilgenommen hatte. Darin wurde Kritik an den Umgang der Kirche mit den Missbrauchsfällen und dem Schweigen des Papstes dazu geäußert.

Kommt Kirchenspaltung?

Wie Matussek in seinem Blog weiter schreibt, sei für ihn die Frage um das Zölibat noch nicht restlos beantwortet. Er glaube, dass es darüber zu einer Kirchenspaltung kommen wird: „Das Zölibat wird fallen, die Traditionalisten werden sich abspalten, und der Rest treibt in Richtung Protestantismus und Lindenstraße davon. Und selbstverständlich wird es dort auch Priesterinnen geben, Klampfen-Gottesdienste, Rockertrauungen und Kegelausflüge mit Gebetspicknick, und alle werden die katholische Kirche endlich da haben, wo sie sie haben wollten: im bequemen, harmlosen Freizeit-Nichts.“

„Nie eine dümmere Talkshow gesehen“

Scharfe Kritik an der Sendung „Anne Will“ vom 11. April übte auch der „Bild“-Kolumnist Franz-Josef Wagner. Er habe „niemals … eine dümmere Talkshow im Fernsehen gesehen“. Jeder Katholik finde den Missbrauch von Kindern furchtbar. Die Sendung sei aber nicht ausgewogen gewesen. Darin habe es kein Wort gegeben „über Priester, die in Konzentrationslagern starben, in den Gulags von Stalin. Kein Wort über Priester in der Dritten Welt, die Sterbende in Ihre Hände nehmen, Hungernde füttern, Arbeiter-Priester, die Drogenkinder retten“. Eigentlich sollte ein Katholik nach dieser Sendung keine Rundfunkgebühren mehr zahlen, so Wagner.