19. November 2017

Türkei: Prozess gegen Mörder von drei Christen vertagt

Quelle: idea.de

Vor drei Jahren starben Tilmann Geske, Necati Aydin und Ugur Yüksel.

Vor drei Jahren starben Tilmann Geske, Necati Aydin und Ugur Yüksel.

Malatya (idea) – In der südosttürkischen Stadt Malatya ist der Prozess gegen die Mörder von drei Christen vertagt worden. Den fünf jungen Männern wird vorgeworfen, am 18. April 2007 den Deutschen Tilmann Geske und zwei Mitarbeiter des einheimischen protestantischen Zirve-Verlags, Necati Aydin und Ugur Yüksel, brutal ermordet zu haben.
 

Sie sollen die drei Männer gefesselt und gefoltert haben, bevor sie ihnen die Kehlen durchschnitten. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft soll das Verbrechen mit drei Mal lebenslänglich für jeden Angeklagten geahndet werden. Der Terminplan des Gerichts von Malatya sah vor, dass Nebenkläger und Verteidiger am 15. April ihre Plädoyers halten sollten. Doch das Fernbleiben der Juristen, die neue Erkenntnisse berücksichtigt wissen wollen, führte zu einer Vertagung der Verhandlungen, berichtet der christliche Informationsdienst Compass Direct. Es wurde eine 28-seitige Forderung präsentiert, Verbindungen der Angeklagten zur nationalistischen, islamisch orientierten Bewegung Ergenekon zu berücksichtigen.

Um das Ansehen der Regierung im Ausland zu beschädigen
Die Ergenekon-Organisation, der frühere Generäle, Politiker und andere Schlüsselpersonen angehören, wird von der Istanbuler Generalstaatsanwaltschaft als terroristische Vereinigung eingestuft. Ihr wird vorgeworfen, für viele politische Attentate verantwortlich zu sein und einen Putsch gegen die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan geplant zu haben. Zu ihrem Konzept passten auch die Morde in Malatya sowie zahlreiche andere Attentate auf Christen, vermuten die Nebenkläger. Die Verbrechen hätten den Zweck, das Ansehen der Regierung im Ausland zu beschädigen. Der Richter in Malatya lehnte allerdings eine weitere Untersuchung möglicher Verbindungen zwischen den Angeklagten und Ergenekon ab. Der Prozess soll im Mai fortgesetzt werden. Über 95 Prozent der 72 Millionen Einwohner der Türkei sind Muslime. Von den rund 120.000 Christen gehören etwa 4.000 zu evangelikalen Gemeinden. Sie haben den 18. April zum weltweiten Gebets- und Solidaritätstag mit den Christen in der Türkei ausgerufen.