21. November 2017

Sind Allah und der Gott der Christen eins?

Quelle: idea.de

Irritationen um Amtseid der niedersächsischen Sozialministerin Aygül Özkan. Foto: PR

Irritationen um Amtseid der niedersächsischen Sozialministerin Aygül Özkan. Foto: PR

Hannover (idea) – Irritationen hat die niedersächsische Sozialministerin Aygül Özkan mit ihrem Amtseid ausgelöst. Die muslimische CDU-Politikerin bekräftigte ihre Vereidigung im Landtag am 27. April mit dem Zusatz „So wahr mir Gott helfe“ und erklärte später, sie habe sich dabei auf den „einen und einzigen Gott“ berufen, der den drei monotheistischen Religionen – Judentum, Christentum und Islam – gemeinsam sei.
 

Diese Gleichsetzung stieß in den großen Kirchen auf Kritik. Christen sähen einen „deutlichen Unterschied zwischen unserem Gott und Allah“, sagte der Sprecher der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, Johannes Neukirch (Hannover), der Bild-Zeitung. Der Islam betrachte Jesus als einen Propheten Allahs, doch für Christen sei er Gottes Sohn und damit Gott gleichzusetzen. Ähnlich äußerte sich der Sprecher des katholischen Bistums Essen, Ulrich Lota. Theologisch seien der Gott der Christen und der Gott des Islam nicht eins. Zwar heiße Allah auf Arabisch Gott, doch um der Eindeutigkeit willen setzten beispielsweise syrische Christen im Gebet die Formulierung „Vater unseres Herrn Jesus Christus“ hinzu.

Rückzug vom Kruzifixverbot

Die 38-jährige Özkan, die aus der Türkei stammt, ist Ministerin für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration in Niedersachsen. Bereits vor ihrer Amtseinführung hatte sie für großen Wirbel gesorgt. In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Focus forderte sie ein Verbot von Kruzifixen und muslimischen Kopftüchern an öffentlichen Schulen. Dies stieß auf Kritik auch in der eigenen Partei. Die CDU-Vorsitzende, Bundeskanzlerin Angela Merkel, wies das Kruzifixverbot ebenso zurück wie Generalsekretär Hermann Gröhe und Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff. Frau Özkan entschuldigte sich später vor der CDU-Landtagsfraktion für ihre Äußerung im Blick auf das Kreuz.

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