21. November 2017

Pietisten sollen sich stärker für den Heiligen Geist öffnen

Quelle: idea.de

Der Bremer Pastor Olaf Latzel.

Der Bremer Pastor Olaf Latzel.

Siegen (idea) – Die Pietisten im Siegerland und in Wittgenstein sollten sich stärker für das Wirken des Heiligen Geistes öffnen. Nur so könnten sie geistlich wachsen, was im Neuen Testament als Heiligung bezeichnet werde.
 

Diese Ansicht vertrat der Bremer Pastor Olaf Latzel beim 157. Jahresfest des Evangelischen Gemeinschaftsverbandes Siegerland-Wittgenstein, das am 17. und 18. April in Siegen stattfand. Für Latzel – bis Ende 2007 Pastor einer der bestbesuchten Kirchengemeinden in Südwestfalen, im Siegener Vorort Trupbach-Seelbach – gibt es im Pietismus noch immer eine zu große Distanz zum Heiligen Geist aufgrund der Berliner Erklärung von 1909, in der die Gemeinschaftsbewegung „damals zu Recht unbiblisches Wirken in der aufkommenden Pfingstbewegung verurteilt hat“. Doch einstige Missbräuche dürften nicht dazu führen, dem Heiligen Geist keinen Raum zu geben, der „mit Gott dem Vater und Gott dem Sohn im Rahmen der Dreieinigkeit auch wahrer Gott“ sei. Latzel – nach eigenen Angaben kein Charismatiker, sondern reformierter Pietist – wörtlich: „Der Heilige Geist darf nicht gedämpft werden, wenn Christen und Gemeinden in ihrer Beziehung zu Gott weiterkommen wollen.“ Denn der Heilige Geist allein sei es, der bewirke, dass Menschen Christen würden und sich entsprechend verhielten. Jesus Christus erwarte von jedem Christen, dass sich durch ihn „Früchte des Heiligen Geistes“ zeigten: Liebe, Freude, Geduld, Güte, Treue und Keuschheit. Ein Christsein ohne Frucht gebe es nicht. Zu den drei Veranstaltungen des Jahresfestes kamen insgesamt 1.200 Besucher.

Wo Pietisten mit der Kirchenleitung nicht übereinstimmen

Der Präses des 80 Gemeinschaften umfassenden Verbandes, Manfred Gläser (Hilchenbach), sagte gegenüber idea, in der Frage der praktizierten Homosexualität vertrete man im Gegensatz zur westfälischen Kirche nach wie vor „die biblische Position“, nach der homosexuelle Lebensgemeinschaften nicht gesegnet werden dürften. Man sei hier auch anderer Ansicht als der westfälische Präses, Alfred Buß (Bielefeld), der im letzten Jahr Homosexualität als etwas Normales wie Linkshändersein bezeichnet habe. Gläser forderte von der Dachorganisation der Gemeinschaften – dem Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverband –, dass er sich hier öffentlich hinter die Position der Siegerländer Pietisten stellen möge.

Neuer Arbeitszweig: Kostenloses Mittagessen für Kinder

Als neuen Arbeitszweig des Verbandes kündigte Gläser eine offene Kinderarbeit im Siegener Stadtteil Weidenau an. Kinder beispielsweise alleinerziehender Mütter oder Väter oder solche, die zu Hause oder in der Schule Probleme hätten, könnten ab den Sommerferien im Gemeinschaftshaus täglich von 11.30 bis 15.30 Uhr ein kostenloses Mittagessen, Hausaufgabenhilfe und ein Freizeitprogramm erhalten. Die dafür zuständige Kindermissionarin Jutta Schischke rechne mit etwa 20 Kindern pro Tag. Das neue Projekt soll aus Spenden finanziert werden.