18. November 2017

Nordkorea: Verurteilter US-Bürger ist Christ

Quelle: idea.de

Acht Jahre Zwangsarbeit wegen „feindlicher Handlungen“.

Acht Jahre Zwangsarbeit wegen „feindlicher Handlungen“.

Pjöngjang (idea) – Nordkorea hat einen US-Bürger, der seinen Kollegen zufolge ein frommer Christ ist, zu acht Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Aijalon Mahli Gomes (30) wurde nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Nordkoreas KCNA der illegalen Einreise sowie „feindlicher Handlungen“ gegen die Volksrepublik für schuldig befunden.
 

Neben der Freiheitsstrafe wurde er zur Zahlung von umgerechnet 520.000 Euro verurteilt. Gomes wurde am 25. Januar an der Grenze zur Volksrepublik China festgenommen. Was ihn zum Grenzübertritt bewegte, ist nicht bekannt. Gomes stammt aus Boston (US-Bundesstaat Massachusetts) und arbeitete als Englischlehrer nahe der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. Seine Kollegen beschreiben ihn als frommen Christen. Gomes ist der vierte US-Amerikaner, der seit 2009 in Nordkorea verhaftet wurde.

Verhaftete US-Amerikaner kamen frei

Die Journalistinnen Laura Ling und Euna Lee wurden im März festgenommen und zu zwölf Jahren Arbeitslager verurteilt, kamen aber frei, nachdem der frühere US-Präsident Bill Clinton mit Alleinherrscher Kim Jong-Il in Pjöngjang gesprochen hatte. Am ersten Weihnachtstag wurde Robert Park festgenommen, als er die Grenze zu Nordkorea überquerte und dabei Bibelworte rezitierte. Er wurde nach zwei Monaten freigelassen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur KCNA habe die Regierung Park vergeben, weil er seine Tat „gestanden und aufrichtig bereut“ habe. Nordkorea-Experten halten es auch für unwahrscheinlich, dass Gomes in ein Straflager eingeliefert wird. Vielmehr wolle das kommunistische Regime Washington unter Druck setzen und zu direkten Gesprächen über die Atomrüstung bewegen. Die beiden Länder unterhalten keine diplomatischen Beziehungen.

Schlimmste Christenverfolgung

Nordkorea gilt als das Land mit der schlimmsten Christenverfolgung. Schon der Besitz einer Bibel wird nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen mit der Todesstrafe geahndet. Nach Angaben des Hilfswerks Open Doors werden bis zu 70.000 Christen in über 30 Arbeits- und Straflagern gefangen gehalten. Von den 23,6 Millionen Einwohnern sind offiziellen Angaben zufolge etwa 12.000 Christen, die zu vier staatlich anerkannten Kirchengemeinden gehören. Mindestens 200.000 Christen versammeln sich im Untergrund.