18. November 2017

Kirche will Flüchtlinge nicht missionieren

Quelle: idea.de

Kirchenpräsident Volker Jung besucht Hessische Erstaufnahmeeinrichtung. Foto: PR

Kirchenpräsident Volker Jung besucht Hessische Erstaufnahmeeinrichtung. Foto: PR

Gießen/Darmstadt (idea) – Für die Menschen da sein, aber sie nicht missionieren. Das ist das Ziel der Aktivitäten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) in der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Gießen.
 

Das Bemühen um die Flüchtlinge sei „sehr tief in unserem Verständnis des Menschen und in der jüdisch-christlichen Tradition verankert“, sagte Kirchenpräsident Volker Jung (Darmstadt) vor Journalisten nach einem Rundgang in der Einrichtung am 28. April. In dem Heim leben derzeit 240 Flüchtlinge aus 20 Nationen. Die größten Gruppen kommen aus Afghanistan, Iran, Eritrea und dem Irak. Mit einem Flüchtlingsseelsorger, einer Sozialarbeiterin und 50 ehrenamtlichen Mitarbeitern betreibt die Kirche eine fünfmal in der Woche für zwei Stunden geöffnete Teestube und gibt Deutsch-Kurse. Darüber hinaus werden die Flüchtlinge von der Flüchtlingsseelsorge und Diakonie über den Ablauf des Asylverfahrens informiert. Rund ein Drittel aller Bewohner wird als Asylbewerber anerkannt.

Evangelikale ebenfalls für Flüchtlinge aktiv

Neben der Landeskirche kümmert sich auch die Flüchtlingsarbeit der Freien evangelischen Gemeinde Gießen um die Bewohner der Einrichtung. Sie betreibt in der Innenstadt das Café „Hope“ (Hoffnung). Es ist donnerstags geöffnet. Bis zu 100 Gäste schauen vorbei. Wie einer der leitenden Mitarbeiter dieser Arbeit, der Unternehmer Ulrich Weyel (Gießen), idea sagte, brauchten die Flüchtlinge mehr als Sozialhilfe. Gerade das christliche Programm, das im Café Hope nach dem Deutschunterricht angeboten werde, stieße auf große Resonanz. Viele Flüchtlinge aus Eritrea, Äthiopien und dem Nahen Osten seien Christen, die sich ausdrücklich auch eine christlich-seelsorgerliche Begleitung wünschten. Etwa 50 Flüchtlinge aus der Erstaufnahmeeinrichtung besuchten jeden Sonntag auch den in sechs Sprachen simultan übersetzten Gottesdienst der Freien Evangelischen Gemeinde. Der missionarische Aspekt dürfe nicht von den karitativen Aktivitäten abgekoppelt werden, meinte Weyel. Andernfalls verliere die Diakonie ihr Profil.