21. November 2017

Kanzlerin setzt sich für Menschen mit Behinderung ein

Quelle: idea.de

Angela Merkel besuchte die von Bodelschwingsche Stiftungen Bethel. Foto: Laurence Chaperon

Angela Merkel besuchte die von Bodelschwingsche Stiftungen Bethel. Foto: Laurence Chaperon

Bielefeld (idea) – Die Belange von Menschen mit Behinderung sollen auch in der künftigen Arbeitsmarktpolitik eine Rolle spielen. Das sicherte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei einem Besuch der von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel am 27. April in Bielefeld zu.
 

Die Wirtschaft solle auch in Bethel Arbeitsplätze sichern. Die Kanzlerin besuchte mehrere Werkstätten, in denen Menschen mit Behinderung arbeiten, darunter eine Metallwerkstatt, eine Handweberei und eine Näherei. Vertreter des Werkstattsrats kritisierten, dass die dort tätigen Personen gegenüber Hartz-IV-Empfängern benachteiligt würden. Ein Großteil des Gehalts werde auf die Grundsicherung angerechnet. Vom Weihnachts- oder Jubiläumsgeld bleibe nur wenig für die eigene Tasche übrig, sagte etwa die 31-jährige Anne Marijke Wittenberg. Aus diesem Grund hätten viele Menschen mit Behinderungen Angst, sich in der freien Wirtschaft eine Arbeit zu suchen. Zu groß sei ihre Sorge, dass ihnen von ihrem Lohn zu wenig bleibe.

Bethel-Chef lobt Merkel

Angela Merkel besuchte die von Bodelschwingsche Stiftungen Bethel. Foto: idea/Ottmar

Angela Merkel besuchte die von Bodelschwingsche Stiftungen Bethel. Foto: idea/Ottmar

Der Vorstandsvorsitzende der von Bodelschwinghschen Stiftungen, Pastor Ulrich Pohl, lobte Merkels besonnenes Handeln in der Wirtschaftskrise. Sie habe „in gemeinsamer Wahrnehmung der Verantwortung über Parteigrenzen hinweg darauf reagiert“. Laut Pohl hatten auch die Behindertenwerkstätten unter der Krise zu leiden. Allerdings seien die schlimmsten Befürchtungen nicht eingetreten. Hinsichtlich der geplanten Verkürzung des Wehr- und Zivildienstes von neun auf sechs Monate bat Pohl die Kanzlerin, den Zivildienstleistenden eine freiwillige Verlängerung zu ermöglichen. Viele junge Menschen, die in Bethel ihren Zivildienst oder ein Freiwilliges Diakonisches Jahr absolvieren, seien bereit, ihren Dienst freiwillig zu verlängern. Die Kanzlerin zeigte sich zuversichtlich, dieser Bitte nachkommen zu können. Pohl plädierte ferner dafür, bei der möglichen Errichtung einer medizinischen Fakultät in Bielefeld auch die Behindertenmedizin zu berücksichtigen. Bethel würde seine Erfahrungen in diesem Bereich gerne einbringen. Merkel versprach, die Angelegenheit mit Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) zu erörtern.
 

Behinderung als Teil des Lebens

Die Kanzlerin lobte die Arbeit des Werks. Die Betreuer leisteten eine Arbeit, „die über das normale Maß hinausgeht“. Menschen mit Behinderung sollten verstärkt als Teil des Allgemeinlebens wahrgenommen werden. Sie selbst habe in der DDR eine Zeit in einer Einrichtung verbracht, in der auch Menschen mit Behinderungen gearbeitet hätten. Diese Erfahrungen hätten sie geprägt. In dem Betheler Arbeitszweig proWerk arbeiten rund 2.100 Menschen mit Behinderung. Zusätzlich nehmen knapp 1.000 Personen an beruflichen Fördermaßnahmen teil. In ganz Deutschland gab es Ende vergangenen Jahres 715 Behindertenwerkstätten mit 275.000 Arbeitsplätzen. Die von Bodelschwinghschen Stiftungen sind mit 15.000 Mitarbeitern der größte diakonische Träger Europas.