19. November 2017

Jugend und Medien: Wozu noch Tabus?

Quelle: idea.de

Medienschutztagung: Gewalt und Porno zunehmend akzeptiert.

Medienschutztagung: Gewalt und Porno zunehmend akzeptiert.

Hamburg (idea) – Gewaltverherrlichung und Pornographie in Fernsehen und Internet sind für die meisten Menschen nach wie vor tabu. Manche können mit Tabubrüchen leben, doch in der jungen Generation breitet sich eine andere Einstellung aus: Jeder sechste Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 16 und 20 Jahren findet es gut, dass es keine Tabus in Fernsehen und Internet mehr gibt.
 

Im Blick auf Computerspiele vertreten 22 Prozent diese Ansicht. Das geht aus einer Studie der ZDF-Medienforschung hervor, die bei einer Jugendmedienschutztagung am 26. und 27. April in Hamburg vorgestellt wurde. Sie stand unter dem Thema „Tabubruch, Medienexhibitionismus und Jugendkultur“ und wurde von ARD, ZDF und den Medienressorts der beiden großen Kirchen veranstaltet. Mehr als jeder dritte (36 Prozent) der befragten 16- bis 20-jährigen Männer, aber nur jede zehnte Frau in dieser Altersgruppe kennt pornographische Inhalte im Internet. Fast jeder Fünfte (18 Prozent) ist mit Internetseiten mit Gewaltverherrlichung, Folter oder Hinrichtungen vertraut. Kinderpornographische Darstellungen sind neun Prozent bekannt. 23 Prozent haben sich schon rassistische Inhalte online angeschaut. Dabei scheuen Mädchen und Frauen vor Tabubrüchen eher zurück als Jungen und Männer, so die Leiterin der ZDF-Medienforschung Susanne Kayser (Mainz).

Keine „Generation Porno“

Die Siegener Medienforscherin Prof. Dagmar Hoffmann hält trotzdem die Rede von einer „Generation Porno“ für unangebracht. Jugendliche könnten gut zwischen Medieninszenierungen und der Realität unterscheiden. Auf ihr Sexualverhalten habe dies wenig Einfluss. Das Durchschnittsalter für den ersten Geschlechtsverkehr liege bei 16 Jahren. Der Medienbeauftragte des Rates der EKD, Oberkirchenrat Markus Bräuer (Frankfurt am Main), plädierte im Sinne des Jugendmedienschutzes für eine „Kultur der Achtsamkeit“ in den Fernsehsendern. Außerdem müsse man sich mit der Frage beschäftigen, wie der Jugendmedienschutz Zugang zu bildungsfernen Schichten erhalten könne. Diese nutzten meist das private und weniger das öffentlich-rechtliche Fernsehen.