19. November 2017

Höchste Zeit für Wachstum

Quelle: idea.de

Dieter Keucher: Es fehlt an der Umsetzung von Strategien. Foto: R. Bodendorff / Spring

Dieter Keucher: Es fehlt an der Umsetzung von Strategien. Foto: R. Bodendorff / Spring

Willingen (idea) – Es ist höchste Zeit, dass christliche Gemeinden einen Wachstumskurs einschlagen. Zwar gibt es genügend Literatur, die zum quantitativen und qualitativen Wachstum motiviert, aber es mangelt am Willen, die Empfehlungen umzusetzen.
 

Diese Ansicht vertrat der Leiter der Geistlichen Gemeinde-Erneuerung in der Evangelischen Kirche (GGE), Pfarrer Dieter Keucher (Chemnitz), beim GemeindeFerienFestival Spring, das vom 5. bis 10. April im nordhessischen Willingen stattfindet. Er räumte den Kirchen höchstens noch sechs Jahre ein, um wirkungsvolle Wachstumsstrategien zu entwickeln. Der Geburtenrückgang, das Sinken der Kirchensteuereinnahmen und die Zunahme von esoterischen und okkulten Ideen „auch in der Kirche“ sprächen dagegen, so wie bisher weiterzumachen. Laut Keucher fehlt es den Gemeinden vielfach an Visionen. Manche warteten, dass der Heilige Geist eine Erweckung schenke, andere vertrauten auf bewährte Konzepte aus anderen Ländern. Es gelte aber „zu entdecken, was Gott durch uns tun will“, sagte Keucher in einem Seminar. Voraussetzung für einen erfolgreichen Gemeindeaufbau sei, dass die Beziehungen unter den Gemeindemitgliedern intakt seien. Außenstehende suchten heilende Gemeinschaften, in denen sie sich angenommen fühlten. Weitere Elemente seien eine Glauben weckende Verkündigung und missionarische Glaubenskurse, die Förderung von Kleingruppen und Hauskreisen sowie intensive Gebetszeiten.

Schirrmacher: Evangelikale sind keine Fundamentalisten

In einem weiteren Seminar wandte sich der Direktor des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit, Prof. Thomas Schirrmacher (Bonn), dagegen, den Begriff Fundamentalisten auf evangelikale Christen anzuwenden. Fundamentalistisch sei es, „wenn man die absolute Wahrheit mit einem undemokratischen Herrschaftsanspruch verbindet und Gewalt zur Durchsetzung religiöser Ziele für legitim erachtet“, sagte der Religionssoziologe und Theologe. Als Beispiele nannte er etwa militante Hindus in Indien und muslimische Selbstmordattentäter in Pakistan. Diese Gruppen bildeten verschwindend kleine Minderheiten innerhalb ihrer Glaubensgemeinschaft. Fundamentalismus sei aber nicht, die Bibel für richtig zu halten. Die evangelikale Bewegung bilde mit rund 500 Millionen Angehörigen rund ein Sechstel der Weltbevölkerung. Die in manchen Medien verbreitete Behauptung, Evangelikale seien vom Wunsch nach einem christlichen Gottesstaat beseelt, nannte Schirrmacher eine „durch nichts bewiesene Unterstellung“. Evangelikale befürworteten eine strikte Trennung von Kirche und Staat. Schirrmacher ist auch Vorsitzender der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA), die rund 420 Millionen Evangelikale in 128 Ländern repräsentiert.