19. November 2017

Gute geistliche Speise statt „Schlabbersüppchen“

Quelle: idea.de

Der scheidende Finanzchef der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig, Oberlandeskirchenrat Robert Fischer. Foto: PR

Der scheidende Finanzchef der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig, Oberlandeskirchenrat Robert Fischer. Foto: PR

Wolfenbüttel (idea) – „Ich wünsche mir, dass die Volkskirche Zukunft hat.“ Das sagte der scheidende Finanzchef der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig, Oberlandeskirchenrat Robert Fischer (Wolfenbüttel) in einem Interview mit der Evangelischen Nachrichtenagentur idea.
 

Die Kirche müsse daher vor allem fragen, was die Menschen speziell von ihr erwarten: „Das sind eben nicht die vielen gesellschaftspolitischen Stellungnahmen der Kirche, ob nun zur Klimaveränderung oder zu Afghanistan usw.“ Die Menschen wollten vielmehr wissen: „Was ist er Sinn meines Lebens – besonders in Leidenssituationen? Warum soll eigentlich Jesus Christus wichtig für mein Leben sein?“ Wer in einen Gottesdienst gehe, erwarte dort „gute geistliche Speise“: „Wo es nur ein ‚Schlabbersüppchen’ gibt, ist der Besuch entsprechend schwach“, sagte Fischer, der Ende April in den Ruhestand tritt. Wenn sich die Kirche etwa zur Klimaveränderung äußere, müsse sie selbst glaubwürdig handeln. So könnten Kirchenvertreter nicht anderen empfehlen, das Klima zu schonen und deshalb Bus und Bahn zu benutzen, während sie selbst mit Dienstwagen und Flugzeug reisten.

Der Basis ist die EKD „wurscht“

Zur Frage, wie die gesellschaftliche Basis über die EKD denkt, sagte Fischer: „Der ist die EKD völlig wurscht. Sie kennt bestenfalls Wolfgang Huber oder Margot Käßmann.“ Von einem Rat und seinen Mitgliedern oder der EKD-Synode wüssten die Bürger „so gut wie nichts, und wenn man etwas davon hört, interessiert es meist nicht“. Nach Einschätzung Fischers leben Kirchenleute weitgehend in einer Parallelwelt und verhalten sich entsprechend: „Ich nehme mich da nicht aus. Wenn man ‚oben’ wüsste, was ‚unten’ gedacht und wie dort gelebt wird – wie beispielsweise ein Hartz-IV-Empfänger existieren muss und welche Kündigungsangst viele haben –, würde man vielleicht auf manche Verlautbarung verzichten, die die Welt nicht unbedingt braucht.“

Predigt und Leben müssen übereinstimmen

Im Blick auf die kirchliche Verkündigung sagte Fischer, die Zuhörer sollten merken, „dass der Prediger vom Glauben an Christus ‚brennt’ und nicht nur von Berufs wegen da ist“. Die Leute spürten, „ob der Prediger glaubt, was er predigt, und sein Leben bei aller Fehlbarkeit danach ausrichtet“. Der Oberlandeskirchenrat äußerte sich auch zu finanziellen Aspekten. Zur Frage, warum die Kirche Geld in Aktien anlegt, sagte er: „Wir können ja nicht die Kirchensteuern, wenn sie eingehen, sofort wieder ausgeben. Alles Geld, was gerade nicht benötigt wird, muss man so anlegen, dass es sich vermehrt.“ Das habe schon Jesus Christus als Herr der Kirche in einem Gleichnis gefordert. Außerdem müsse die Kirche für Notlagen gerüstet sein und deshalb Rücklagen bilden.