22. November 2017

Großstädte: Weniger Austritte aus der evangelischen Kirche

Quelle: idea.de

Nach Missbrauchsskandal Mitgliederschwund bei katholischer Kirche. Foto: Pixelio/Zwatschi09

Nach Missbrauchsskandal Mitgliederschwund bei katholischer Kirche. Foto: Pixelio/Zwatschi09

Wetzlar/Hannover (idea) – Der Missbrauchsskandal in kirchlichen Einrichtungen schlägt sich bei den Austrittszahlen der evangelischen Kirche offenbar nicht nieder. Im Gegenteil: Vielerorts gehen die Austritte zurück, während sie auf katholischer Seite stark ansteigen. Das ergab eine Umfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea in acht Großstädten.
 

Den größten Rückgang bei den Austritten meldete Nürnberg. Dort verließen im ersten Quartal 221 Personen die bayerische Landeskirche; das waren 41,1 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum (375 Austritte). In Düsseldorf lag die Zahl der Kirchenaustritte um fast ein Viertel niedriger (235/-24,2 Prozent). In Hamburg betrug der Rückgang 20,3 Prozent. Dort verließen in den ersten drei Monaten des Jahres 122 Personen die nordelbische Kirche. Auch in Frankfurt am Main ist die Entwicklung mit 375 Austritten (-19 Prozent) rückläufig. In den Stuttgarter Dekanaten Innenstadt und Degerloch erklärten 210 Personen ihren Austritt (-17,7 Prozent). In Köln entschieden sich im ersten Quartal 379 Personen für den Austritt aus der rheinischen Kirche (-8,5 Prozent), in Hannover waren es in den ersten 13 Kalenderwochen 505 (-3,8 Prozent). In Berlin verringerten sich die evangelischen Austritte um fast ein Drittel (-30,9 Prozent) auf 1.091. Die Zahlen für März liegen dort noch nicht vor.

Massiver Mitgliederschwund bei Katholiken

Die katholische Kirche hat dagegen mit einem massiven Mitgliederschwund zu kämpfen. Laut der Südwest Presse (Ulm) verlor das Bistum Freiburg allein im März 2.711 Mitglieder. Im Vorjahresmonat waren es 1.058. Im Bistum Rottenburg-Stuttgart stieg die Zahl der Austritte von 1.101 im Januar und 921 im Februar auf 2.676 im Monat März. Ähnlich ist das Bild auch in anderen Teilen des Landes: In der katholischen Hochburg Köln kehrten im März 495 Menschen der römischen Kirche den Rücken – mehr als doppelt so viele als im Durchschnitt der vergangenen 14 Monate. Auch in Berlin ergab eine Stichprobe der Senatsverwaltung einen Anstieg der Austritte aus der katholischen Kirche.

Medien konzentrieren sich auf katholische Fälle

EKD-Pressesprecher Reinhard Mawick (Hannover) führt die unterschiedliche Entwicklung in den beiden Kirchen auf die Berichterstattung der Medien zurück, die sich auf Missbrauchsfälle in katholischen Einrichtungen konzentriere. Die Fälle in evangelischen Einrichtungen, die nun ans Licht kämen, seien meist schon in der Vergangenheit aufgearbeitet worden. Außerdem erklärten in der Regel nur die Leute ihren Austritt, die schon seit längerer Zeit keinen Kontakt mehr zur Kirche haben. Die Entscheidung, aufgrund eines einzelnen Vorfalls auszutreten, sei eher selten. Ferner zeigten Umfragen, dass auch der Rücktritt von Margot Käßmann als Landesbischöfin und EKD-Ratsvorsitzende nach ihrer Trunkenheitsfahrt dem Ansehen der Kirche nicht geschadet habe.