21. November 2017

Geteiltes Echo auf muslimische Christdemokratin im Ministeramt

Quelle: idea.de

Zustimmung über Parteigrenzen hinweg – Kritische Stimmen bei Evangelikalen.

Zustimmung über Parteigrenzen hinweg – Kritische Stimmen bei Evangelikalen.

Hannover (idea) – Die erstmalige Berufung einer Muslimin in ein Ministeramt ist in der Politik über Parteigrenzen hinweg auf Beifall gestoßen – zum Teil auch in kirchlichen Kreisen.
 

Vertreter der evangelikalen Bewegung äußerten sich kritisch. Die türkischstämmige Schiitin Aygül Özkan, die seit 2004 der CDU angehört, wird künftig im Kabinett des niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit in Niedersachsen zuständig sein. Die 38-Jährige Juristin, die seit 17 Jahren verheiratet ist und einen siebenjährigen Sohn hat, arbeitete zuletzt als Niederlassungsleiterin des Logistikunternehmens TNT. Die vom Hamburger Bürgermeister Ole von Beust (CDU) geförderte politische Quereinsteigerin wurde 2008 zur stellvertretenden Landesvorsitzenden ihrer Partei gewählt und saß in der Hamburger Bürgerschaft. Der Bundesvorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU, der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Rachel, nannte die Berufung von Frau Özkan zur niedersächsischen Landesministerin „ein schönes Beispiel gelungener Integration“. Es sei sehr zu begrüßen, „wenn sich in der CDU – auf der festen Grundlage unseres christlichen Verständnisses vom Menschen und unserer klaren Wertvorstellungen – Menschen unterschiedlichster Herkunft politisch engagieren“. Die CDU als große Volkspartei wende sich mit ihrem Auftrag an alle Schichten und Gruppen des Landes.

„Vielleicht kann sie noch Kanzlerin werden“

Auch Integrationspolitiker von SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen begrüßten die Entscheidung. Die Bundestagsabgeordnete Aydan Özoguz (SPD) sprach von einem „sehr schönen Zeichen“. Damit werde die Karriere von Migranten „ein Stück normaler“. Der FDP-Bundestagsabgeordnete Serkan Tören nannte die Berufung Özkans eine „tolle Sache“. Gegenüber der Rheinischen Post sagte er: „Wer weiß, vielleicht kann sie ja auch noch Kanzlerin werden.“ Törens Parlamentskollege Memet Kilic (Bündnis 90/Die Grünen) sieht eine „sehr starke Signalwirkung in die türkische Gemeinde hinein“. Frau Özkan werde für viele türkische Migrantenkinder zum Vorbild werden. Auch der Vorsitzende der Migrationskommission der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Norbert Trelle (Hildesheim), lobte die Entscheidung. Die Muslimin im Ministeramt sei ein „Glücksfall für die Integrationspolitik in Deutschland“, sagte er gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur.

Kritik: CDU verabschiedet sich vom „C“

Kritische Töne kommen dagegen vom Präsidenten der Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften, Pastor Ulrich Rüß (Hamburg). Zwar sei die Berufung einer Muslimin zur Ministerin ein geschickter machtpolitischer Schachzug des Ministerpräsidenten Wulff zur Integration von Bürgern mit muslimischem Migrationshintergrund. Andererseits stelle sich die Frage nach dem „C“ in der CDU: „Welche Bedeutung wird dem überhaupt noch beigemessen?“ Wenn Moslems Aufnahme bei der CDU fänden, sei eine muslimische Ministerin nur konsequent. Offensichtlich verabschiede sich die CDU aus machtpolitischem Kalkül mehr und mehr von dem „C“ und dessen Sinngehalt. „Die Integration von Konservativen und jenen, die sich bewusst einer christlichen Leitkultur verschrieben haben, bleibt da auf der Strecke“, so Rüß.

Anbiederung an Muslime

Der evangelikale Islam-Experte Eberhard Troeger (Wiehl bei Gummersbach) fragte in einer Stellungnahme: „Fand der Ministerpräsident, dessen Partei das „C“ im Namen führt, unter den vielen christlichen Immigranten keine geeignete Persönlichkeit, zum Beispiel aus Afrika? Die Anbiederung deutscher Politiker an Muslime und Türken zu Lasten von Christen – um kurzfristiger politischer und wirtschaftlicher Erfolge willen – hat leider eine lange, traurige und nicht aufgearbeitete Vorgeschichte.“

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