21. November 2017

EKD-Ratsvorsitzender kritisiert deutsche Afghanistan-Politik

Quelle: idea.de

Der amtierende EKD-Ratsvorsitzende Schneider: „Der Konflikt ist aus dem Ruder gelaufen“. Foto: Bundeswehr/Frank

Der amtierende EKD-Ratsvorsitzende Schneider: „Der Konflikt ist aus dem Ruder gelaufen“. Foto: Bundeswehr/Frank

Hamburg (idea) – Deutliche Kritik an der deutschen Afghanistan-Politik hat der amtierende EKD-Ratsvorsitzende, Präses Nikolaus Schneider (Düsseldorf) geübt. „Der Konflikt in Afghanistan ist aus dem Ruder gelaufen“, sagte er dem „Hamburger Abendblatt“.
 

Das Interview wurde vor dem Angriff von mehr als 100 Taliban auf ein Minenräum-Kommando geführt, bei dem am 2. April drei deutsche Soldaten starben und acht Soldaten verletzt wurden. Nach Ansicht Schneiders besteht die Gefahr, „dass der Einsatz der Bundeswehr völlig seine Legitimation verliert“. Was in Afghanistan passiere, sei Krieg. Die Legitimation des Bundeswehreinsatzes sei „äußerst brüchig“ geworden. Die deutsche Gesellschaft müsse mit der Selbsttäuschung aufräumen, die Bundeswehr als besseres Technisches Hilfswerk anzusehen, die Brücken baut, Brunnen bohrt und Wasserleitungen legt. „Natürlich tut sie das auch, aber tatsächlich geht es darum, den zivilen Wiederaufbau militärisch zu sichern. Dabei wird man beschossen, man schießt zurück, und man tötet Menschen.“ Seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes 2002 starben 39 Bundeswehrsoldaten. Zuletzt kamen im Juni 2009 drei Deutsche bei Gefechten ums Leben.