21. November 2017

Das Ende vom „Wunder von Marxloh“?

Quelle: idea.de

Duisburger Moscheegemeinde schottet sich zunehmend ab. Foto: wikipedia/-ani-

Duisburger Moscheegemeinde schottet sich zunehmend ab. Foto: wikipedia/-ani-

Duisburg (idea) – Die einst für ihre vorbildliche Integrationsarbeit hoch gelobte Merkez-Moschee in Duisburg schottet sich offenbar immer mehr ab. Medienberichten zufolge haben sich die religiös-orthodoxen Muslime gegen liberale Kräfte durchgesetzt.
 

Eine Lösung des Problems sei nicht in Sicht, so der Islambeauftragte der Duisburger Polizei, Jürgen Kieskemper. Wie er in der Fernsehsendung WDR-Lokalzeit sagte, seien die Muslime gegenüber den Deutschen nicht mehr so offen wie zu Beginn des Projekts. Die Merkez-Moschee und ihr Begegnungszentrum waren im Oktober 2008 in Anwesenheit hochrangiger Gäste aus Politik und Kirche eingeweiht worden. Die Moschee bietet rund 1.200 Personen Platz. Träger ist die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB). Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) hatte bei der Eröffnung das Konzept gelobt, das die verschiedenen Kulturen und Religionen miteinander ins Gespräch bringen wolle. Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider (Düsseldorf), würdigte damals die Zusammenarbeit der Moscheegemeinde mit Nachbarn, Kirchengemeinden, Schulen und Kindertagesstätten. Dieses gute Miteinander hat sich laut Kieskemper inzwischen aber deutlich verändert. Deutsche würden von Veranstaltungen in dem Begegnungszentrum ausgesperrt. „Über Moderation kommt man hier nicht weiter“, so Kieskemper. Nötig sei ein Neuanfang. Auch der ehemalige Pressesprecher der Moscheegemeinde, Mustafa Kücük, erhebt schwere Vorwürfe gegen die derzeitige Führung. Sie vermische Politik und Religion. Anfang März wurden die Dialogbeauftragte und die Bildungsreferentin des Begegnungszentrums entlassen. Begründet wurde dies mit Sparzwängen. Nach der Entscheidung kam es zu Protesten muslimischer Frauen.

Islamverbände wollen Einfluss

Die türkischstämmige Frauenrechtlerin Necla Kelek (Berlin) zieht die Entwicklung in Duisburg-Marxloh als Beleg dafür heran, dass die Islamverbände nicht Integration, sondern Einfluss wollen. „Mit Millionen Euro aus der EU und vom Land Nordrhein-Westfalen subventioniert sollte die Einrichtung den interreligiösen Dialog befördern. Ein Jahr nach der Einweihung haben die konservativen Kräfte der DITIB den Moscheevereinsvorstand ausgewechselt, werden Deutschkurse gestrichen und interreligiöse Angebote gekürzt (…)“, schrieb Kelek vor kurzem in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Kirchlicher Islambeauftragter besorgt

Auch der Islambeauftragte der rheinischen Kirche, Rafael Nikodemus (Düsseldorf), ist beunruhigt. Die Kirche beobachte die Vorgänge sehr genau, auch weil sie sich bis heute im Moscheebeirat für die Integrationsarbeit engagiert und bei der Einweihung das „Wunder von Marxloh“ ebenso wie Politiker gelobt hatte. Nikodemus bemängelt die sich verschlechternde Kommunikation. Er wolle die kritischen Punkte demnächst in einem Gespräch mit dem Vorstand der Moscheegemeinde ansprechen. Der Duisburger Pfarrer Hans-Peter Lauer, der dem Beirat angehört, kann die Kritik nicht nachvollziehen. Die Kooperationsbereitschaft mit den Kirchen sei weiter vorhanden. Demnächst werde man gemeinsam eine „Nacht der offenen Gotteshäuser“ durchführen. Die internen Veränderungen im Vorstand der Gemeinde hätten bisher keinen Einfluss auf die Zusammenarbeit zur Folge gehabt. Auch der Pressesprecher der Moscheegemeinde, Hüseyin Cetin, wies die Kritik zurück. Man versuche eine Mauer zwischen der Moschee und der Begegnungszentrum aufzubauen, die es nicht gebe, sagte er im WDR-Fernsehen.