21. November 2017

Bibelproduktion in China: 70 Millionen Stück in 25 Jahren

Quelle: idea.de

Dietrich Bauer: Bibelschmuggel nicht notwendig.

Dietrich Bauer: Bibelschmuggel nicht notwendig.

Bad Boll (idea) – Die Bibelproduktion in der Volksrepublik China reicht für den einheimischen Markt aus. Das berichtete ein Aufsichtsratsmitglied der Deutschen Bibelgesellschaft, der Finanzwissenschaftler und Bankdirektor a.D. Dietrich Bauer (Bad Boll bei Göppingen), nach einem Besuch im bevölkerungsreichsten Land der Welt.
 

Er hatte Anfang April an den Feiern zum 25-jährigen Bestehen der Amity-Druckerei (Nanjing) teilgenommen, die vom Chinesischen Christenrat und dem Weltbund der Bibelgesellschaften betrieben wird. Für Bibelschmuggel oder andere illegale Importe von Bibeln gebe es keine Notwendigkeit, sagte Bauer, der auch Vizepräsident der Internationalen Studentenmission IFES ist, gegenüber idea. Die Amity-Druckerei habe bisher rund 70 Millionen Exemplare der Heiligen Schrift hergestellt, davon etwa 50 Millionen in der chinesischen Hauptsprache und in acht Minderheitensprachen. Bei den übrigen 20 Millionen Bibeln habe es sich um Aufträge aus dem Ausland gehandelt. Abnehmer der chinesischen Bibeln seien die etwa 55.000 staatlich registrierten evangelischen Gemeinden, die die Bücher entweder verschenkten oder in ihren für jedermann zugänglichen Buchläden verkauften. Dabei koste die günstigste Ausgabe umgerechnet etwa 1,20 Euro. „Jeder Chinese, der dies will, kann eine Bibel zu einem erschwinglichen Preis bekommen“, so Bauer. Dass sich manche Christen scheuten, eine staatlich registrierte Kirche aufzusuchen und deswegen keine Bibel kaufen könnten, beruhe auf einer persönlichen Entscheidung und sei nicht dem kommunistischen System anzulasten. Zeitweilige Lieferengpässe seien auf die großen Entfernungen zurückzuführen, da die Druckerei die Bücher innerhalb Chinas mit Lastwagen ausliefere. Die Regierung kontrolliere zwar die Religionsgemeinschaften, lasse aber Spielräume. So würden die Bibeltransporte von Ärzten oder Krankenschwestern begleitet, die Patienten insbesondere in abgelegenen Orten medizinisch versorgen.

Zusammenwirken von Bibelverbreitung und diakonischer Hilfe

Laut Bauer stärkt das Zusammenwirken von Bibelverbreitung und diakonischer Hilfe das Ansehen der Christen, was zum enormen Wachstum der Gemeinden beitrage. Die offizielle Mitgliederzahl der protestantischen Gemeindemitglieder betrage nach Angaben des Chinesischen Christenrates und der patriotischen Drei-Selbst-Bewegung etwa 25 Millionen. Dazu komme ein Mehrfaches an nicht-registrierten Kirchenmitgliedern. Bauer leitete von 1979 bis 1993 als Oberkirchenrat das Finanzdezernat der württembergischen Landeskirche und war danach bis zum Eintritt in den Ruhestand Ende 2000 Vorstandsmitglied der Evangelischen Kreditgenossenschaft.

Beobachter über Gesamtzahl der Christen uneins

Ausländische Beobachter weisen darauf hin, dass sich die meisten Christen in staatlich nicht anerkannten Gemeinden versammeln, weil sie sich nicht der Kontrolle des kommunistischen Regimes unterwerfen wollen. Schätzungen über die Gesamtzahl der Christen schwanken zwischen 40 Millionen und 130 Millionen. Die Volksrepublik hat mehr als 1,3 Milliarden Einwohner.