26. April 2018

„Wir wollen nur, dass unsere Kinder nicht getötet werden“

Quelle: idea.de

Nigerianische Christinnen protestieren gegen Massaker muslimischer Extremisten.

Nigerianische Christinnen protestieren gegen Massaker muslimischer Extremisten.

Jos/Abuja (idea) – In Nigeria sind Tausende Christinnen auf die Straße gegangen, um gegen Massaker von Muslimen an fast 500 Christen zu protestieren. In Schwarz gekleidete Frauen zogen mit Bibeln in den Händen vor Regierungsgebäude in der Bundeshauptstadt Abuja und in Jos, der Hauptstadt des Bundesstaates Plateau.
 

Dort waren am 7. März Angehörige des muslimischen Nomadenstammes Hausa in drei überwiegend von Christen bewohnte Dörfer eingedrungen und hatten Männer, Frauen und Kinder massakriert. Dabei riefen sie nach Angaben von Augenzeugen: „Allah ist groß!“ Die nigerianische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Congress (Kongress für Bürgerrechte) zählte insgesamt 492 Todesopfer. 332 Leichen wurden in einem Massengrab in der Ortschaft Dogo Na Hawa beigesetzt. Etwa 200 Tatverdächtige wurden festgenommen. Christen beklagen jedoch, dass die Sicherheitskräfte zu spät eingegriffen hätten. Die Generalsekretärin der Frauenvereinigung im Bundesstaat Plateau, Zipporah Kpamor, sagte in Jos, wenn der eigene Staat nicht in der Lage sei, geplanten Völkermord zu stoppen, dann müsse man sich an die Vereinten Nationen wenden. Pastorin Esther Ebanga erklärte, Christen hätten genug vom Kreislauf der Gewalt: „Wir wollen nur, dass unsere Kinder nicht mehr getötet werden.“ Die Kirchen und die Islamische Konferenz Nigerias haben die Gewalt verurteilt und zur Versöhnung zwischen Muslimen und Christen aufgerufen.

Regierung unter Druck

Die Regierung des westafrikanischen Landes gerät unter internationalen Druck. Die UNO hat die Machthaber aufgefordert, die Sicherheit der Christen zu verbessern. Außerdem verlangten die USA und die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (Menschenrechtswacht) eine Untersuchungskommission. In Plateau stoßen der islamisch geprägte Norden und der mehrheitlich christliche Süden Nigerias aneinander. Immer wieder entladen sich Spannungen in gewalttätigen Konflikten, denen bisher rund 3.000 Menschen zum Opfer gefallen sind. Zuletzt waren Mitte Januar mindestens 460 Menschen bei Zusammenstößen zwischen Muslimen und Christen in Jos ums Leben gekommen. Kirchenleiter deuten die Übergriffe als Versuch, den gesamten Bundesstaat zu islamisieren. In den nördlichen Bundesstaaten gilt das islamische Religionsgesetz, die Scharia. Nigeria hat 140 Millionen Einwohner. Knapp 49 Prozent sind Christen, 45 Prozent Muslime und der Rest Anhänger von Naturreligionen.