16. Januar 2018

Weltallianz drängt auf Religionsfreiheit in der Türkei

Quelle: idea.de

v.l.: der Vorsitzende der Theologischen Kommission, Prof. Thomas Schirrmacher, und der muslimische Großmufti von Istanbul, Mustafa Cagrici. Foto: PR

v.l.: der Vorsitzende der Theologischen Kommission, Prof. Thomas Schirrmacher, und der muslimische Großmufti von Istanbul, Mustafa Cagrici. Foto: PR

Istanbul (idea) – Die Weltweite Evangelische Allianz (WEA) unterstützt alle politischen und kirchlichen Bemühungen um Religionsfreiheit in der Türkei. Das erklärte der Vorsitzende der Theologischen Kommission, Prof. Thomas Schirrmacher (Bonn).
 

Er hatte Ende Februar in Istanbul den Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I., den Metropoliten der Syrisch-Orthodoxen Kirche, Yusuf Cetin, und den muslimischen Großmufti von Istanbul, Mustafa Cagrici besucht. Der Patriarch ist geistliches Oberhaupt von rund 3.000 griechisch-orthodoxen Christen in der Türkei und Ehrenvorsitzender aller 300 Millionen Orthodoxen weltweit. Wie Schirrmacher mitteilte, habe er ihn über mehrere Initiativen zugunsten der christlichen Minderheit in der Türkei informiert. Beispielsweise enthalte der jüngste Fortschrittsbericht der Europäischen Union (EU) zum möglichen Beitritt der Türkei erstmals die Forderung, den Kirchen enteignete Grundstücke und Gebäude zurückzugeben und dem Patriarchen volle Bewegungsfreiheit zu garantieren. Die WEA dränge auch auf eine rasche Wiedereröffnung des seit 1971 geschlossenen Theologischen Seminars der Griechisch-Orthodoxen Kirche auf der Insel Halki. Metropolit Cetin dankte der WEA für ihr Engagement für syrisch-orthodoxe Christen, die aus dem Irak vertrieben wurden und in der EU eine neue Heimat gefunden haben. Schirrmacher zufolge setzt sich die Weltallianz für die in der islamischen Welt verfolgten orientalischen Kirchen trotz theologischer Unterschiede ein. Die WEA repräsentiert rund 420 Millionen Evangelikalen in 128 Ländern.

Großmufti: Islam ohne Zwang

Auch das Gespräch mit Großmufti Cagrici habe sich vorrangig mit Fragen der Religionsfreiheit befasst, teilte Schirrmacher mit. Dabei habe der Muslim versichert, für einen Islam einzutreten, der Zwang verabscheue. Cagrici erwarte von einem EU-Beitritt der Türkei mehr Religionsfreiheit in seiner Heimat. Er ist Professor für Islamische Theologie und Mitverfasser eines Briefes aus dem Jahr 2007, in dem 138 islamische Gelehrte bei den Kirchen um ein friedliches Zusammenleben von Muslimen und Christen auf der Grundlage der Gottes- und Nächstenliebe warben. Schirrmacher hatte den Antwortbrief der WEA formuliert. Darin wurde sowohl die Verpflichtung der Christen zum Frieden als auch die Bedeutung Jesu Christi für alle Menschen herausgestellt.

Keine inhaltliche Annäherung

Schirrmacher ist auch Direktor des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit der WEA. Wie er betonte, bedeuten Gespräche mit Führern nicht-christlicher Religionen keine inhaltliche Annäherung. Ein friedliches Zusammenleben von Anhängern verschiedener Religionen müsse auch möglich sein, wenn man sich inhaltlich nicht einig sei. Dies sei die Voraussetzung dafür gewesen, dass konfessionelle Minderheiten in Europa Religionsfreiheit bekommen hätten. Gegenseitiges Vertrauen helfe, Frieden zu stiften und schwierige Situationen zu lösen.