24. April 2018

Türkei: Evangelikale klagen über mangelnde Religionsfreiheit

Quelle: idea.de

Nach wie vor besteht Intoleranz gegenüber religiösen Minderheiten. Foto: Flickr.com/Tomas Maltby

Nach wie vor besteht Intoleranz gegenüber religiösen Minderheiten. Foto: Flickr.com/Tomas Maltby

Izmir (idea) – Die evangelikale „Vereinigung protestantischer Kirchen“ in der Türkei hat eine umfangreiche Liste von Verstößen gegen die Religionsfreiheit veröffentlicht.
 

Nach wie vor gebe es in dem muslimisch geprägten Land eine große Intoleranz gegenüber religiösen Minderheiten, gezielte Angriffe auf Christen und zahlreiche Beschränkungen für christliche Gemeinden, heißt es in dem in Izmir veröffentlichen Dokument. Betroffen seien insbesondere Protestanten, die im Unterschied zu den orthodoxen Kirchen über keine historischen Gottesdienststätten verfügten. Ihre Anträge auf Errichtung von Versammlungsräumen würden häufig abgelehnt. Zwar habe das Parlament unter dem Druck der EU festgelegt, dass auch nicht-muslimischen Bürgern Anbetungsmöglichkeiten zugestanden würden, die Behörden legten das Gesetz aber meist gegen die Protestanten aus. Auch sei es evangelischen Gemeinden nicht erlaubt, Pfarrer auszubilden. Christen, die sich auf das in der Verfassung garantierte Recht zur ungehinderten Weitergabe religiöser Überzeugungen beriefen, würden oft wegen angeblich gefährlicher und illegaler Handlungen verfolgt. Im September habe die Polizei in Ankara drei Protestanten festgenommnen, die öffentlich von ihrem Glauben, von Jesus und von der Bibel erzählten. Erst nach dem Einschalten eines Rechtsanwalts seien sie freigelassen worden, da sie gegen kein Gesetz verstoßen hätten.

Öffentliche Umfragen zeigen Widersprüche

Einen Widerspruch sieht die Vereinigung auch in öffentlichen Umfragen. 80 Prozent der Befragten seien überzeugt, dass in der Türkei alle religiösen Gruppen und Gemeinschaften die gleichen Rechte hätten. Allerdings verträten 66 Prozent die Meinung, dass Nicht-Muslime ihre Ansichten nicht öffentlich verbreiten dürften, und 62 Prozent würden auch das Weitergeben von Literatur verbieten. Offensichtlich verstünden viele Türken unter Religion und Religionsgemeinschaften nicht dasselbe wie Menschenrechtsorganisationen, so die Vereinigung. Positiv sei, dass in den landesweiten Medien weniger diffamiert und desinformiert werde. Hingegen werde in Lokalzeitungen und im Internet weiter gegen Christen gehetzt. Auch in Schulbüchern finde man Vorurteile. Missionarische Aktivitäten würden als Verbrechen angesehen, die vor allem Schulen und das Militär bedrohten. Von den mehr als 70 Millionen Einwohner der Türkei sind über 95 Prozent Muslime. Etwa 4.000 der rund 120.000 Christen gehören zu evangelikalen Gemeinden.