19. Januar 2018

Marokko: Ausgewiesene Christen fühlen sich ungerecht behandelt

Quelle: idea.de

Vorwürfe unbegründet: Kinderheim ist keine missionarische Organisation. Foto: PR

Vorwürfe unbegründet: Kinderheim ist keine missionarische Organisation. Foto: PR

Rabat (idea) – Die 16 Ausländer, die wegen angeblicher Missionierung von Kindern aus Marokko ausgewiesen wurden, weisen den Vorwurf religiöser Abwerbung weit von sich. Das Kinderheim „Dorf der Hoffnung“ in Ain Leuh, wo sie tätig waren, sei keine missionarische Organisation, sondern wolle einzig und allein dem Wohl notleidender Kinder dienen.
 

Die Ausweisung sei ungerecht und entbehre jeder Grundlage. Marokkanische Sicherheitsbehörden hatten das „Dorf der Hoffnung“ im Atlasgebirge am 8. März geschlossen. 16 ausländische Mitarbeiter, meist Pflegeeltern für die 33 Kinder, mussten das Land verlassen. Das teilte Personalleiter Chris Broadbent auf der Internetseite der Einrichtung mit. Der Neuseeländer wurde mit seiner Frau Tina in Anwesenheit ihrer beiden Söhne William und Samuel zweieinhalb Stunden lang verhört. Man habe ihnen vorgeworfen, die Pflegekinder zum christlichen Glauben bekehren zu wollen. Nach Broadbents Angaben ist das Kinderheim seit zehn Jahren in Betrieb und seit 2002 staatlich anerkannt. Die Mitarbeiter hätten nie ein Geheimnis aus ihrem Glauben gemacht. Für die Kinder sei es eine Tragödie, dass sie jetzt ohne ihre Pflegeeltern auskommen müssten. Sie seien jetzt in Übergangsheimen untergebracht worden. Dies sei eine „Schande“ für Marokko. Kommunikationsminister Khalid Naciri erklärte am 11. März in Rabat, die christlichen Mitarbeiter hätten die Armut einiger Familien ausgenutzt und gegen Adoptionsbestimmungen verstoßen. Der Staat gehe hart gegen religiöse Abwerbung vor. Christen könnten ihren Glauben in Marokko frei praktizieren, aber Mission sei verboten. In dem nordafrikanischen Land ist der Islam Staatsreligion. Von den rund 32 Millionen Einwohnern sind nach offiziellen Angaben 99 Prozent Muslime, davon 90 Prozent Sunniten. Ferner gibt es kleine Minderheiten von Christen und Juden.

Razzia auf Bibelstunde

In jüngster Zeit hat sich der staatliche Druck auf Christen verstärkt. Am 4. Februar führte die Polizei in der Kleinstadt Amizmiz, etwa 55 Kilometer südlich von Marrakesch am Fuße des Atlasgebirges, eine Razzia auf eine Bibelstunde durch. Dabei wurden ein US-Amerikaner und 18 Marokkaner festgenommen, darunter fünf Kleinkinder im Alter zwischen sechs Monaten und vier Jahren. Danach wurde der US-Amerikaner abgeschoben. Der Grund: Ein ausländischer Missionar wolle den „evangelischen Glauben“ in dem überwiegend muslimischen Land ausbreiten. Vor allem unter Berbern in Marokko und dem benachbarten Algerien wächst die Zahl der Christen.