26. April 2018

Lebensschutz im Web 2.0

Quelle: ideaSpektrum Nr. 10 vom 10.März 2010 (ideaSpektrum HIER BESTELLEN!)

Wie Abtreibungsgegner in Internet-Gruppen aktiv sind

Tobias-Benjamin Ottmar - idea-Redaktionsbüro West

Tobias-Benjamin Ottmar - idea-Redaktionsbüro West

Abtreibungen lehnen auch junge Christen ab, doch nur relativ wenige engagieren sich in Lebensrechtsbewegungen. Dabei ist der Einsatz für das Leben heute einfacher als je zuvor – dank Web 2.0. Tobias-Benjamin Ottmar hat die ProLife-Szene im Netz unter die Lupe genommen.
 

Eine Premiere gab es in diesem Jahr bei den Märschen für das Leben in den USA. Neben den über 300.000 Bürgern, die in Washington und anderen Städten für den Schutz der Ungeborenen demonstrierten, konnte man sich erstmals auch über das Internet virtuell an den Protesten beteiligen. Knapp 84.000 Personen machten davon Gebrauch. Während konservative Gruppen in den USA das Internet und die Sozialen Netzwerke inzwischen nutzen, um Aktionen zu initiieren, besteht hierzulande noch viel Nachholbedarf. Ein Beispiel: Auf Facebook gibt es ein Profil mit dem Titel „Say No to Abortion!“ (Sag Nein zur Abtreibung), das derzeit über 1,2 Millionen Fans zählt. Deutschsprachige Gruppen, die sich kritisch mit Abtreibung auseinandersetzen, dümpeln dagegen bei den Unterstützerzahlen meist erst im dreistelligen Bereich. Offenbar wird die Bedeutung, die öffentliche Meinung durch das Internet zu beeinflussen, von vielen Christen noch unterschätzt. Selbst bei aktuellen Debatten fällt die Unterstützung eher mangelhaft aus. Ein Beispiel: In der Schweiz gibt es derzeit eine Initiative, die fordert, die Finanzierung von Abtreibungen aus dem Leistungskatalog der Krankenkassen zu streichen. Eine entsprechende Facebook-Gruppe, die dieses Begehren unterstützt, zählte bis Anfang März nicht einmal 800 Mitglieder; die Gegner waren bislang fitter und haben bereits über 1.100 Anhänger versammelt.

Eine Kampagne will eine schwule Walt-Disney-Figur erreichen
Auch homosexuelle Gruppen sind im Internet gut vernetzt und versuchen, ihre Interessen durchzusetzen: So startete eine britische Studentin auf Facebook vor kurzem eine Kampagne für eine schwule Walt-Disney-Figur. Innerhalb weniger Tage schlossen sich über 1.200 Personen diesem Anliegen an. Weil diese Gruppen über eigene Medien verfügen, können sie ihre Anliegen auch über Facebook hinaus transportieren und eine Kampagne starten. Das Internetportal queer.de zählt nach eigenen Angaben rund 800.000 Besucher pro Monat. Es ist nicht auszuschließen, dass der Medienkonzern Walt Disney diese Anregung aufnimmt, sollte der Druck größer werden. Zwar gibt es auch christliche Medien, die Lebensschutzthemen aufgreifen. Meist haben sie aber eine deutlich geringere Reichweite.

Die Politiker warten schon
Die Politik hat die Bedeutung der Online-Gemeinschaften längst erkannt. Von jeder der im Deutschen Bundestag vertretenen fünf Parteien sind Spitzenleute auch auf Facebook vertreten. Die meisten Fans unter den Parteigrößen hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) – Anfang März waren es über 26.000. Vizekanzler und Außenminister Guido Westerwelle (FDP) kommt auf rund 7.100 Anhänger. Auch die Opposition ist gut vertreten: SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier zählte zur selben Zeit rund 6.600 Fans, die Doppelspitze von Bündnis 90/Die Grünen, Claudia Roth und Cem Özdemir, scharen 4.600 bzw. knapp 6.000 Personen um sich. Und die Gallionsfiguren vom linken Rand, Oskar Lafontaine und Gregor Gysi, zählen 1.300 bzw. 1.600 Unterstützer. Dank der Transparenz des Internets können auf diesem Wege Diskussionen schneller in Gang gebracht werden als durch einen Brief, der im Stapel des Abgeordnetenbüros landet.

Was soll man tun?
1. Jeder, der in diesem Bereich etwas erreichen will, sollte sich ein Profil in einem sozialen Netzwerk einrichten. Das größte und am schnellsten wachsende Portal mit weltweit über 400 Millionen Mitgliedern ist derzeit Facebook. Allerdings sollte man bei der Preisgabe persönlicher Daten vorsichtig sein!
2. Dann gilt es, sich mit anderen Personen – sowohl Freunden und Bekannten als auch beispielsweise Politikern – zu vernetzen, das heißt, sie als virtuelle Freunde hinzuzufügen.
3. Das Wichtigste ist dann, aktiv zu bleiben. Misch Dich in Diskussionen ein und setze selber Themen. Schließe Dich Gruppen an, die Dein Anliegen für den Schutz des Lebens teilen.
4. Nutze das Internet, um Deine Meinung kundzutun. Zudem kannst Du auf diesem Weg schnell Mitstreiter finden, um zum Beispiel eine Leserbriefkampagne zu starten oder E-Mails an Bundestagsabgeordnete zu senden.