16. Januar 2018

Homo-Segnungen kein Stolperstein für Nordkirche

Quelle: idea.de

Hans-Jürgen Abromeit: Keine Gemeinde kann zu dieser Handlung gezwungen werden.

Hans-Jürgen Abromeit: Keine Gemeinde kann zu dieser Handlung gezwungen werden.

Greifswald/Schwerin/Kiel (idea) – Die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften stellt keinen Stolperstein auf dem Weg zu einer gemeinsamen Nordkirche dar.
 
Das haben führende Vertreter der evangelischen Landeskirchen Pommerns, Mecklenburgs und Nordelbiens betont, die sich 2012 zu einer Kirche zusammenschließen wollen. Anlass für die Klarstellung waren Äußerungen des pommerschen Bischofs Hans-Jürgen Abromeit (Greifswald) in einem Interview. Darin hatte er erklärt, er lehne eine Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften ab, da sie angesichts der biblisch-theologischen Befunde nicht dem Leitbild der christlichen Kirche entspreche. Homosexuellenverbände kritisierten Abromeits Äußerungen daraufhin als „weltfremd“. Wie der Bischof jetzt auf idea-Anfrage sagte, seien seine Äußerungen in einer Pressemeldung aus dem Zusammenhang gerissen worden. In dem Interview sei es um die Nordkirche gegangen. Das Thema der Homosexuellen-Segnung sei nur ein Aspekt gewesen. „Und ich habe lediglich meine bekannte Position und die der Landessynode wiedergegeben“, so Abromeit. Danach sei eine Segnung aus seelsorgerlichen Gründen im Einzelfall möglich, nicht jedoch „die Segnung einer homosexuellen Partnerschaft als Institution“. Man habe das Thema auch in der Steuerungsgruppe der Nordkirche besprochen und es sei deutlich geworden, dass es keinen Stolperstein auf dem Weg zu einer gemeinsamen Kirche darstelle. Auch nach einer Fusion könne keine Gemeinde gezwungen werden, homosexuelle Partnerschaften zu segnen, da diese Fragen auch in Zukunft in den einzelnen Kirchenkreisen entschieden würden, erklärte Abromeit. Dass es sich bei dieser Frage nur um ein „Detailproblem“ handle, zeigt sich für den Bischof daran, dass er in den vergangenen acht Jahren nur ein konkretes Gespräch dazu geführt habe. Das widerspreche der Argumentation von Homosexuellenverbänden wie dem Landesverband der Lesben und Schwulen in Mecklenburg-Vorpommern. Dieser behaupte, dass sich viele seiner Mitglieder, die der evangelischen Kirche angehören, für ihre Partnerschaften den Segen der Kirche wünschten.
 

Mecklenburg: Ja zu Segnung in seelsorgerlicher Begleitung

In Mecklenburg sieht man in der aktuellen Debatte ebenfalls kein Hindernis für eine gemeinsame Nordkirche. Bischof Andreas von Maltzahn (Schwerin) verwies gegenüber idea auf einen Beschluss der Landessynode aus dem Jahr 2001. Darin heißt es: „Die Synode stellt auf der Grundlage des Papiers ‚Mit Spannungen leben’ fest, dass, wenn homosexuelle Menschen, die zusammen leben, den Segen Gottes erbitten, ihnen dieser in der seelsorgerlichen Begleitung zugesprochen werden kann. Das weitere theologische Gespräch wird im Rahmen der EKD und der VELKD geführt.“ Er sehe keinen Grund, diese Praxis zu ändern, sagte von Maltzahn. Sie könne auch im zukünftigen Kirchenkreis Mecklenburg fortbestehen.

Nordelbien: Kein Zurück hinter erreichte Praxis

Der Vorsitzende der nordelbischen Kirchenleitung, Bischof Gerhard Ulrich (Schleswig), hatte kürzlich vor der Landessynode erklärt, dass es in der Frage der Segnung homosexueller Partnerschaften „ein fusionsbedingtes Zurück“ hinter die in Nordelbien erreichte Beschlusslage und Praxis mit ihm nicht geben werde.