21. April 2018

„Gastarbeiter“-Anwerbung hat Deutschland überfordert

Quelle: idea.de

Eberhard Troeger: Spannungen durch Zunahme der Migranten-Bevölkerung

Eberhard Troeger: Spannungen durch Zunahme der Migranten-Bevölkerung

Bad Blankenburg (idea) – Die massenweise Anwerbung von „Gastarbeitern“ nach 1960 hat die deutsche Gesellschaft überfordert. Dieser Ansicht ist der Islamexperte und Autor Eberhard Troeger (Wiehl bei Gummersbach).
 

Die Zuwanderung aus Südeuropa und der Türkei habe begonnen, als Westdeutschland die Aufnahme von über zehn Millionen Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten noch nicht wirklich „seelisch verarbeitet“ hatte, sagte Troeger bei einer Islamkonferenz der Deutschen Evangelischen Allianz Mitte März im thüringischen Bad Blankenburg. In Verbindung mit einem dramatischen Rückgang der einheimischen Bevölkerung gehöre das rasche Anwachsen der multiethnischen Migranten-Bevölkerung zu den Ursachen für viele soziale Spannungen. Die sich abzeichnenden Konflikte würden durch das Fehlen einer allgemein anerkannten Leitkultur in Deutschland verschärft.

Radikale muslimische Gruppen als gesellschaftliche Fremdkörper

Als größtes Problem einer sich abzeichnenden islamischen Parallelgesellschaft bezeichnete Troeger radikale muslimische Gruppen, die eine Integration in die säkulare Gesellschaft grundsätzlich ablehnten. Sie wollten Fremdkörper in der Gesellschaft bleiben und nähmen darum eine feindselige Haltung gegen diese Gesellschaft ein. Manche Muslime strebten sogar eine schrittweise Umwandlung Deutschlands in eine „Gesellschaft unter dem Gesetz Allahs, der Scharia“, an. Die meisten Muslime passten sich hingegen an die Gepflogenheiten in Deutschland an.

Integration oder Assimilation

Nach Troegers Ansicht sollte in der öffentlichen Debatte über Parallelgesellschaften zwischen Integration und Assimilation unterschieden werden. Integration bedeute, dass Zuwanderer ihre Werte sowie religiösen und politischen Überzeugungen bewahren, grundsätzlich aber die Gesetze der neuen Heimat respektieren. Unter dieser Voraussetzung sei die Bildung von Parallelgesellschaften möglich. Wer sich assimiliere, wolle „wie ein Deutscher“ sein. Aus christlicher Perspektive sei „der muslimische Wunsch nach einem gewissen Eigenleben in einem säkularen Staat durchaus verständlich“.

Muslime brauchen Raum für Religionsausübung

Nach Ansicht des Islam-Referenten der Evangelischen Zentrale für Weltanschauungsfragen (EZW) in Berlin, Friedmann Eißler, stehen die Kirchen vor der Herausforderung, „Muslimen als mittlerweile beständigem Teil unserer Gesellschaft den Raum zu geben, den sie als Glieder dieser Gesellschaft auch für die Religionsausübung brauchen“. Sie sollten jene Kräfte unter den Muslimen „erkennen, bejahen und kritisch begleiten, die islamisches Leben in Deutschland im Kontext der säkularen Gesellschaft reflektieren und weiterentwickeln wollen“. Veranstalter der Konferenz war der Arbeitskreis Islam der Deutschen Evangelischen Allianz. Vorsitzender des Arbeitskreises ist der Leiter der Theologischen Akademie von „Forum Wiedenest“, Ulrich Neuenhausen (Bergneustadt/Oberbergisches Land). Er wurde als Nachfolger des früheren württembergischen Kirchenrats Albrecht Hauser (Korntal bei Stuttgart) eingeführt, der das Ehrenamt seit 2004 innehatte.