21. November 2017

Soll der Muezzin in Hamburg zum Gebet rufen?

Quelle: idea.de

Der kirchenpolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Wolfgang Beuß, erklärte, er könne sich Muezzinrufe vom Minarett in Hamburg kaum vorstellen. Foto: PR

Der kirchenpolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Wolfgang Beuß, erklärte, er könne sich Muezzinrufe vom Minarett in Hamburg kaum vorstellen. Foto: PR

Hamburg (idea) – Heftige Reaktionen hat Bischöfin Maria Jepsen mit Äußerungen zum öffentlichen islamischen Gebetsruf ausgelöst. Dass der Muezzin eines Tages in Hamburg öffentlich zum islamischen Freitagsgebet ruft, könne sie sich durchaus vorstellen, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.
 

Allerdings sollte der Gebetsruf nur einmal pro Woche und dann nicht zu laut erschallen. Auch sollten die Bewohner des betroffenen Stadtteils einverstanden sein, so die Bischöfin des Sprengels Hamburg-Lübeck. Das sensible Miteinander der Religionen in der Hansestadt dürfe nicht zerstört werden. Sie könne sich nicht vorstellen, dass die Hamburger für ein Verbot von Minaretten stimmen würden, wie es die Mehrheit der Schweizer am 29. November getan hat. Nach Angaben des Hamburger Abendblatts erwägt die Centrum-Moschee, einen öffentlichen Gebetsruf einzuführen. Der Hamburger katholische Weihbischof Hans-Joachim Jaschke plädiert für Geduld und Rücksicht. Gegenwärtig sei eine öffentliche Debatte über den Muezzinruf wenig hilfreich. Der evangelische Hauptpastor von St. Nikolai, Propst Johann Hinrich Clausen, sagte, die Zeit sei noch nicht reif „für den Gesang des Muezzin“. Anders als das kirchliche Glockenläuten sei der islamische Gebetsruf ein Glaubensbekenntnis. Der kirchenpolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Wolfgang Beuß, erklärte, er könne sich Muezzinrufe vom Minarett in Hamburg kaum vorstellen. Er befürworte sie auch nicht. Minarette seien politische und religiöse Symbole, die einen Machtanspruch verkörperten und keineswegs dem Religionsfrieden dienten.

Kirchenmitglieder in der Minderheit

Bischöfin Jepsen hatte schon beim Adventsempfang am 3. Dezember darauf aufmerksam gemacht, dass das über Jahrhunderte protestantisch geprägte Bild Hamburgs nicht mehr allein von Kirchen bestimmt werde: „Synagogen und Moscheen, auch mit Minarett, Gebetshäuser, Tempel und Logen prägen das Hamburger Stadtbild.“ Kirchenmitglieder sind in der Hansestadt in der Minderheit. Etwa 30 Prozent der 1,7 Millionen Einwohner gehören der evangelischen Kirche an; rund 10 Prozent sind katholisch. Der Rest ist konfessionslos, orthodox, freikirchlich oder gehört anderen Religionen an. Die Gesamtzahl der Glaubensgemeinschaften wird auf bis zu 120 geschätzt.