19. November 2017

Nicht leichtfertig über das Leiden anderer hinweggehen

Quelle: idea.de

Kassel (idea) – Zu einem sensiblen Umgang mit Kranken und Trauernden hat die EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischöfin Margot Käßmann (Hannover), aufgerufen. Man dürfe nicht nach dem Motto „Komm, das wird schon wieder“ über das Leiden anderer hinweggehen, sagte sie auf dem Christlichen Gesundheitskongress am 22. Januar in Kassel.
 

Leid führe an die Grenzen der Erklärungsmöglichkeiten, so Käßmann. Deshalb sei es oft angebracht, still zu werden und zu schweigen. Wie die Ratsvorsitzende weiter sagte, ist Gesundheit kein Beweis für Gottes Gegenwart und kein Grund, sich selbst zu rühmen. Gottvertrauen könne sich gerade darin zeigen, dass jemand mit seiner Krankheit leben und sterben könne. Gott stehe auch denen bei, die nicht geheilt werden. Christen glaubten an einen Gott, der selbst Leid, Schmerz und Ohnmacht erfahren habe. Gott sei sowohl allmächtig als auch ohnmächtig. Er habe sich aus Liebe zu den Menschen in seinem Sohn Jesus Christus verwundbar gemacht.

Afghanistan-Einsatz: Gebet und Kerzen sind nicht das Schlechteste

Käßmann ging auch auf die Kritik an ihren Äußerungen zum Bundeswehreinsatz in Afghanistan ein. In ihrer Neujahrspredigt hatte die Ratsvorsitzende mehr Phantasie bei der Suche nach friedlichen Lösungen gefordert. Der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Reinhard Robbe (SPD), hatte daraufhin gesagt: „Niemand hindert Frau Käßmann daran, sich am Hindukusch mit den Taliban in ein Zelt zu setzen und über ihre Phantasien zu diskutieren, gemeinsam Rituale mit Gebeten und Kerzen zu entwickeln.“ Dazu die Bischöfin: „Ich finde, Gebet und Kerzen sind nicht das Schlechteste. Sie haben immerhin vor 20 Jahren die Welt verändert.“