18. November 2017

Mit vielen kleinen Schritten die Welt verändern

Quelle: idea.de

Die EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischöfin Margot Käßmann, in der Dresdener Frauenkirche. Screenshot: ZDF Mediathek

Die EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischöfin Margot Käßmann, in der Dresdener Frauenkirche. Screenshot: ZDF Mediathek

Dresden/Schleswig (idea) – Trotz Krisen und Klimawandel sollen Christen aufgrund ihres Glaubens voller Zuversicht ins neue Jahr gehen und zu Veränderungen beitragen. Dazu haben führende evangelische Kirchenrepräsentanten in ihren Neujahrspredigten aufgerufen.
 

Niemand brauche in Erschrecken über die krassen Missstände erstarren, sagte die EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischöfin Margot Käßmann (Hannover), in der Dresdener Frauenkirche. Christen könnten ihren Teil dazu beitragen, die Schrecken dieser Welt zu verringern: „Viele Menschen, die viele kleine Schritte gehen, können das Gesicht der Erde verwandeln.“ Die EKD-Ratsvorsitzende sprach sich zugleich erneut für ein Ende des Afghanistan-Einsatzes aus. Waffen schafften dort offensichtlich keinen Frieden: „Wir brauchen Menschen, die nicht erschrecken vor der Logik des Krieges, sondern ein klares Friedenszeugnis abgeben gegen Gewalt und Krieg. Wir brauchen mehr Fantasie für den Frieden, für ganz andere Formen, Konflikte zu bewältigen.“ In einer Neujahrsbotschaft äußerte sich Käßmann zur Jahreslosung 2010 „Jesus Christus spricht: „Euer Herz erschrecke nicht. Glaubt an Gott und glaubt an mich.“ Die Jahreslosung gebe „uns die Gewissheit, dass keine und keiner auch in der größten Krise wirklich allein und auf sich selbst gestellt ist“. Im Gebet „können wir uns auch in dem noch jungen Jahr gewiss sein, dass er auch in schweren Krisensituationen bei uns ist und seine schützende Hand über uns hält und – in solchen Momenten noch wichtiger – unter uns hält“.

Bischof Ulrich: Glaubende sind unruhige Geister

Der Vorsitzende der nordelbischen Kirchenleitung, Bischof Gerhard Ulrich (Schleswig), ging in seiner Neujahrspredigt ebenfalls auf die Jahreslosung ein und sagte im Schleswiger St.-Petri-Dom: „Das Schreckliche dieser Welt droht niederzudrücken. Der Glaube aber ist die Macht gegen das Erschrecken.“ Das vergangene Jahr habe die Vielfalt der Probleme gezeigt. Als Beispiele nannte Ulrich die Wirtschaftskrise und den Klimawandel. Aber die Mächtigen blieben „seltsam stumm“ und hätten nicht den Mut voranzugehen, „sich hinwegzusetzen über allzu augenscheinliche Interessen Einzelner.“ Auch dem Hoffnungsträger des vergangenen Jahres, US-Präsident Barack Obama, würden „erbarmungslos die Grenzen aufgezeigt“. Die Welt brauche daher die unerschrockenen Herzen der Gläubigen. Glaube sei kein billiger Trost, der dazu auffordere, die Realitäten zu verdrängen. Wer glaube, lasse sich dazu ermutigen, für die Menschen am Rande der Gesellschaft einzutreten. „Der Glaube beruhigt nicht, sondern führt in konstruktive Unruhe. Glaubende sind unruhige Geister“, so der Bischof.