22. November 2017

Erfolgreichster Film hat eine religiöse Botschaft

Quelle: idea.de

Theologin: „Avatar“ beschreibt die Sehnsucht nach dem Paradies. Foto: Fox

Theologin: „Avatar“ beschreibt die Sehnsucht nach dem Paradies. Foto: Fox

Berlin (idea) – Er ist der teuerste und kommerziell erfolgreichste Film aller Zeiten: „Avatar – Aufbruch nach Pandora“. Seit dem Kinostart Mitte Dezember, haben ihn allein in Deutschland rund sieben Millionen Besucher gesehen.
 

Das Werk des kanadischen Regisseurs James Cameron hat auch eine religiöse Botschaft. Der Film appelliere an die Sehnsucht des Menschen nach dem Paradies, schreibt die Theologin Claudia Knepper (Berlin) im Materialdienst der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW). Ihrer Ansicht nach zeigt der Film, was dem Menschen fehlt bzw. wonach er sucht: Die Verwurzelung, also den „direkten Draht zu den Dingen, die ihn umgeben, und damit auch zum alles umfassenden Sein“. In der Science-Fiction-Produktion geht es um einen früheren US-Marinesoldaten namens Jake Sully, der seit einem Kampfeinsatz von der Hüfte abwärts gelähmt ist. Um seinem sinnlos erscheinenden Leben zu entkommen, reist er auf den weit entfernten Planeten Pandora. Dort trifft er die Na’vis, die Ureinwohner des Planeten, die im Einklang mit der Natur leben. Sully wird es dank einer Kreuzung der DNA von Mensch und Na’vi ermöglicht, in einen fremden Körper – einen sogenannten Avatar – zu schlüpfen. Weil er nun wie ein Na’vi aussieht, kann er Kontakt zu dieser Eingeborenengruppe aufnehmen. Während ein Wirtschaftsunternehmen diese Erfindung und das von Sully aufgebaute Vertrauen für eigene Interessen ausnutzen will, lernt der Invalide das Volk näher kennen: Wie er feststellt, pflegen die Eingeborenen eine Naturreligion. Als heiligen Ort verehren sie den „Baum der Seelen“.

Paradies Pandora – Böse westliche Welt

Wie es in dem EZW-Beitrag heißt, stellt der Film die Ureinwohner von Pandora als „die besseren Menschen“ dar. Ihre Körper seien größer und athletischer, sie lebten in unmittelbarem Kontakt zur Natur und kennten ihre Geheimnisse. „Sie leben – theologisch gesprochen – noch im Paradies“, so Knepper. Während nach ihrer Ansicht der Lebensraum der Na’vis als perfekte Welt dargestellt wird, verkörpern die anderen Protagonisten – Wirtschaftsvertreter und Militär – die böse westliche Welt. Der Film erinnere somit „an die Geschichte der Eroberung der Welt durch die Europäer seit der Neuzeit und die damit verbundene Schuld gegenüber den Eingeborenen, ihren Kulturen und der Natur“. Die Geschichte werde erzählt als „immer wieder vollzogener Verlust bzw. als Zerstörung des Paradieses, einer heilen Welt, für deren wahren Reichtum die Räuber keinen Sinn haben“. Der Film Avatar hat bisher umgerechnet 1,32 Milliarden Euro eingespielt. Damit ist er finanziell gesehen noch erfolgreicher als „Titanic“ oder „Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“. Bei den Golden Globes im Januar wurde „Avatar“ für die beste Regie und als bester Film ausgezeichnet. Die Produktions- und Marketingkosten für den Film lagen bei 500 Millionen Euro.