19. November 2017

Bundeswehr-General verteidigt Landesbischöfin Käßmann

Quelle: idea.de

Koblenz (idea) – Unterstützung für ihre Haltung zum Militäreinsatz in Afghanistan hat die EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischöfin Margot Käßmann (Hannover), von einem ranghohen Offizier der Bundeswehr erhalten.
 

Ihre Äußerungen richteten sich nicht gegen die Soldaten, sagte Generalleutnant Carl-Hubertus von Butler (Koblenz) in einem Interview mit der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Er habe die Neujahrspredigt Käßmanns intensiv gelesen und habe keine Probleme mit den Aussagen. Die Ratsvorsitzende hatte gesagt: „Nichts ist gut in Afghanistan.“ Waffen schafften dort offensichtlich auch keinen Frieden. Man brauche „mehr Phantasie für den Frieden, für ganz andere Formen, Konflikte zu bewältigen“. Die Ratsvorsitzende musste daraufhin viel Kritik von Medien und Politikern einstecken, die ihr unter anderem Naivität vorwarfen. Von Butler – er ist Befehlshaber des Heeresführungskommandos in Koblenz – stimmt der EKD-Ratsvorsitzenden zu, dass mehr Phantasie für den Frieden notwendig sei. Die Staatengemeinschaft müsse mehr darüber nachdenken, wie sie Sicherheit schaffen könne. „Unsere Instrumentarien sind noch nicht so weit entwickelt, um mit solchen Konflikten fertig zu werden. Wir brauchen dafür neue Ideen“, so von Butler. Er könne sich vorstellen, neben dem Militär stärker zivile Kräfte für den Aufbau der Infrastruktur nach Afghanistan zu schicken, zum Beispiel Ärzte, Lehrer und Verwaltungsexperten: „Nichts anderes fordert auch Bischöfin Käßmann.“ Nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 und der sich anschließenden Invasion Afghanistans hatte von Butler als Brigadegeneral von Januar bis Juni 2002 im Rahmen der ISAF ein Vorauskommando in Kabul kommandiert. Seit 2009 gehört er der EKD-Synode an.

„Ein wenig blauäugig“ nach Afghanistan gegangen

Der General räumt ein, dass er selbst „ein wenig blauäugig“ nach Afghanistan gegangen sei. Demokratische Strukturen westlicher Art ließen sich dort „nicht so schnell, wenn überhaupt, installieren“. Von Butler: „Ich bin über den Verlauf des Einsatzes nicht enttäuscht, aber ich bin natürlich ungeduldig. Wir sind mit viel Herzblut ins Land hineingegangen und haben gehofft, dass es schneller zu besseren Verhältnissen kommt. Gleichzeitig muss man aber die Realität sehen und sich in Geduld üben.“

Konzept vom „gerechten Krieg“ hat sich überlebt

Eine Absage erteilte der General dem Konzept vom „gerechten Krieg“. Dieser habe sich überlebt. Stattdessen müsse man vom „gerechten Frieden“ sprechen. Allerdings sei die Idee, den Frieden zu wollen, in der Geschichte des Krieges nur an sehr wenigen Stellen zu finden, zum Beispiel bei der westlichen Völkergemeinschaft, die gegen Hitler vorging, und beim Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg. Die Diskussion um eine Ausstiegsstrategie für den Afghanistan-Konflikt nannte von Butler berechtigt. Wie die Mehrheit der Deutschen wünschten sich auch die Soldaten einen schnellen Truppenabzug. Dafür müssten allerdings erst stabile Verhältnisse in Afghanistan geschaffen werden.