18. November 2017

Ägypten: Schwere Unruhen zwischen Muslimen und Christen

Quelle: idea.de

Auslöser: Schüsse auf Besucher einer koptisch-orthodoxen Christmette.

Auslöser: Schüsse auf Besucher einer koptisch-orthodoxen Christmette.

Nag Hammadi (idea) – Nach einem blutigen Anschlag auf einen koptisch-orthodoxen Weihnachtsgottesdienst in Oberägypten am 6. Januar sind dort Unruhen ausgebrochen.
 

Bei Zusammenstößen zwischen Muslimen und Christen gingen elf von Kopten geführte Geschäfte sowie acht Häuser und zwei Motorräder in Flammen auf. Als Tatverdächtige nahm die Polizei 42 Personen fest – 28 Christen und 14 Muslime. Die Unruhen gehen zurück auf den Anschlag nach der Christmette in Nag Hammadi, etwa 60 Kilometer von Luxor entfernt. Dabei feuerten vermutlich muslimische Extremisten aus einem vorbeifahrenden Fahrzeug Schüsse auf die Gottesdienstbesucher. Sieben Christen und ein muslimischer Wachmann wurden getötet und etwa zehn Personen verletzt. Es wird vermutet, dass der Anschlag dem koptischen Bischof Kirollos galt. Er hatte nach Unruhen im November öffentlich die Christen verteidigt, nachdem Muslime einen Kopten beschuldigt hatten, ein zwölfjähriges Mädchen vergewaltigt zu haben. Der Bischof erhielt nach eigenen Angaben vor dem jüngsten Anschlag Morddrohungen. EKD-Auslandsbischof Martin Schindehütte (Hannover) reagierte mit Entsetzen und Trauer auf den Anschlag, warnte aber davor, die Motive vorschnell als Christenverfolgung zu bewerten. Es sei nicht sicher, ob es sich vordringlich um eine religiös motivierte Gewalttat handele. Papst Benedikt XVI. nahm am 10. Januar zu den Unruhen in Ägypten Stellung und verurteilte jede religiös motivierte Gewalt

Menschenrechtler: Hetze gegen Christen

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (Göttingen) forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, sich bei der ägyptischen Regierung für den Schutz der Christen einzusetzen. Nahostreferent Kamal Sido bezeichnete die Erklärung eines Sprechers des ägyptischen Innenministeriums, dass der Überfall eine Reaktion auf die angebliche Vergewaltigung durch einen Kopten gewesen sein könnte, als „offene Hetze“. Auch Vertreter der koptisch-orthodoxen Kirche wiesen diese Behauptung zurück. In Oberägypten ist es in der Vergangenheit mehrfach zu Konflikten zwischen Muslimen und Christen gekommen. Von den rund 80 Millionen Einwohnern Ägyptens sind 87 Prozent Muslime, 10 Prozent orthodoxe Kopten. Hinzu kommen kleinere Gruppen von Katholiken und Protestanten.