21. September 2017

Kirche sollte Sünde Sünde nennen

Quelle: ideaSpektrum Nr. 51/2009 Seite 30 (ideaOst)

Der ehemalige Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR, Joachim Gauck. Foto: Wikipedia/Thoma

Der ehemalige Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR, Joachim Gauck. Foto: Wikipedia/Thoma

Die Kirchen sind ihrem Beitrag zur Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit nicht ausreichend gerecht geworden. Dieser Ansicht ist der ehemalige Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR, Pfarrer Joachim Gauck (Rostock).

 

Wie er in einem Interview mit dem Deutschen Pfarrerblatt (Kernen) sagte, ist für manche Gremien in der Kirche „Imagepflege“ verlockender als innere Einkehr und die Rückbesinnung auf theologische Grundsätze. Dabei sollte Imagepflege nicht das Programm der Kirchen sein. „Ich möchte, dass meine Kirche als letzte davon abgeht, dass es ein menschenwürdiger und zum Menschen passender Weg ist, zu bereuen und eine Sünde eine Sünde zu nennen, einen Fehler einen Fehler zu nennen und darauf zu vertrauen, dass es trotzdem so etwas wie eine Rechtfertigung gibt“, erklärte er. Aus diesem Bewusstsein heraus sollte man eigene Fehler benennen können. Versöhnung ist möglich Er persönlich halte eine Versöhnung zwischen Opfern und Tätern für möglich. „Und zwar deshalb, weil es so etwas wie Vergebung gibt. Wenn man spürt, dass ein Mensch, der einen verraten hat, das erstens nicht leugnet, es zweitens benennt und es drittens bereut und es einem auch erklärt“, dann erwache Vergebungsbereitschaft.

Gauck sprach sich dagegen aus, die Akten vorzeitig zu schließen. Staat und Gesellschaft müssten Bedingungen schaffen, „die eine auf Fakten gestützte Aufarbeitung ermöglichen“. Denn der Prozess der Aufarbeitung brauche Zeit. Es sei jetzt schon „deutlich zu erkennen, dass man mindestens die Zeit braucht, die man in der Diktatur gelebt hat, um sich von ihr geistig frei zu machen“.