13. Dezember 2017

Christen aus Ost und West bitten einander um Vergebung

Quelle: idea.de

Freikirchliche Gemeinde veranstaltet „Tag der Versöhnung“.

Freikirchliche Gemeinde veranstaltet „Tag der Versöhnung“.

Chemnitz (idea) – Mit einem „Tag der Versöhnung“ haben Christen aus Ost- und West-Deutschland einander für begangenes Unrecht um Vergebung gebeten. Zu der Versöhnungskonferenz hatte die freikirchliche Gemeinde „Die Arche“ am 5. Dezember nach Chemnitz eingeladen.

Wie deren Leiter Thilo Reichold sagte, bestünden 20 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer immer noch Mauern in den Köpfen. Christen bildeten keine Ausnahme. Anstatt einander als Bereicherung anzusehen, gebe es immer noch viele Vorbehalte auf beiden Seiten. Er hoffe, dass von dem Versöhnungstag eine „Bewegung der Eintracht“ ausgehe. Mit einem Bußgebet bat Reichold stellvertretend für alle ehemaligen DDR-Bürger Gott und die Bürger in den alten Bundesländern um Vergebung für eine verbreitete Undankbarkeit „und das viele Klagen“. Stellvertretend für die Westdeutschen bat der aus den alten Bundesländern stammende Pastor der Freien evangelischen Gemeinde in Chemnitz, Bernhard Millard, um Vergebung für alle „Demütigung und Geringschätzung“ der Bürger im Osten.
 

Deutsche können auf vieles stolz sein

Der Chemnitzer CDU-Bundestagsabgeordnete Frank Heinrich rief zu bleibender Dankbarkeit für die Friedliche Revolution 1989 auf. Der Mauerfall sie so etwas wie die Wiederbelebung eines menschlichen Herzens gewesen, das auch nur gesund sei, wenn beide Herzhälften funktionierten. Zugleich ermutigte er dazu, stolz auf das gemeinsam Erreichte zu sein. „Wir können nicht auf alles in unserer Geschichte stolz sein, aber auf vieles“, sagte der frühere Heilsarmee-Offizier. Der Vorsitzende der charismatischen Geistlichen Gemeinde-Erneuerung Deutschland (GGE), Pfarrer i.R. Dieter Keucher (Königshain-Wiederau), erinnerte an die Rolle der Christen bei der Friedlichen Revolution. Sie hätten einen Dienst an der ganzen Gesellschaft geleistet, indem sie etwa Flugblätter vervielfältigt hätten. Zur Rolle des sowjetischen Staatschefs Michail Gorbatschow sagte Keucher, nicht er sei damals die tiefste Hoffnung der Christen gewesen, sondern allein Jesus Christus.

Nicht von Ossis und Wessis sprechen

Der Theologe und promovierte Sprachwissenschaftler Roland Werner (Marburg) rief Christen auf, nicht von Ossis und Wessis zu sprechen: „Wir sollten nicht Mauern aufrichten, die Gott längst abgerissen hat.“ Allerdings sei der Kampf um die Einheit so alt wie die Christenheit. Doch in Jesus Christus habe Gott allen Menschen seine Liebe erklärt. Für Christen sei das Verpflichtung, sich nicht nur für ein gutes Miteinander von Ost- und Westdeutschen einzusetzen, sondern auch Fremde herzlich aufzunehmen: „Wir sollten sie nicht als Ausländer, sondern als Mitbürger betrachten.“ Der Leiter der charismatisch geprägten Leipziger Andreas-Gemeinde, Thomas Piehler, sagte, viele hätten sich das Zusammenwachsen von Ost- und West-Deutschland zu einfach vorgestellt. Es sei klar, dass es nach 40 Jahren unterschiedlicher Entwicklungen schwierig sei, wieder zusammenzufinden. Christen sollten auch hier Segensträger sein und aufeinander zugehen.