18. Oktober 2017

ZDF-Nachtstudio: Ist evangelikale Mission schädlich?

Quelle: idea.de

ZDF NACHTSTUDIO – ZUR MEDIATHEK

Der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Jürgen Werth (Wetzlar), plädierte für genaues Hinsehen. Screenshot: ZDF/Mediathek

Der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Jürgen Werth (Wetzlar), plädierte für genaues Hinsehen. Screenshot: ZDF/Mediathek

Mainz (idea) – Wie berechtigt ist Kritik an evangelikaler Mission, wie sie jüngst im Fernsehen erhoben wurde? Darüber haben Fachleute am 16. November nach Mitternacht im „Nachtstudio“ des ZDF diskutiert.

 
Vorausgegangen war in den vergangenen Monaten eine heftige öffentliche Kontroverse um einen Beitrag im ZDF-Magazin „Frontal 21“ vom 4. August. Unter dem Titel „Sterben für Jesus – Missionieren als Abenteuer“ wurden evangelikale Missionare in die Nähe islamischer Selbstmordattentäter gerückt. Dagegen protestierten Zuschauer. Der Rat der EKD rügte eine verzerrte Darstellung theologisch konservativer Protestanten und nahm sie vor Diffamierung in Schutz. Am 23. Oktober befasste sich der ZDF-Fernsehrat mit dem Magazinbeitrag. Der Vorsitzende, der CDU-Bundestagsabgeordnete Ruprecht Polenz, bezeichnete die Sendung als „misslungen, missverständlich und für das Thema nicht geeignet“. ZDF-Intendant Markus Schächter schlug daraufhin eine Diskussionsrunde zum Thema Evangelikale und Mission im ZDF-Programm vor.
 

Aggressive Werbung

Ausgangspunkt des Gesprächs im „Nachtstudio“ war ein Video der charismatischen Jugendorganisation „Jugend mit einer Mission“ (JMEM), mit dem für Missionseinsätze geworben wird. Die Werbemethoden seien aggressiv, und es bestehe die Gefahr, dass Missionare ihr Leben verlieren, erklärte Moderator Volker Panzer. Auch der Sektenbeauftragte der sächsischen Landeskirche, Harald Lamprecht (Dresden), äußerte kritische Anfragen an JMEM. Mission werde mit Spaß und Abenteuer verbunden, und man nehme zu wenig Rücksicht auf die Befindlichkeiten von Einheimischen. Charismatiker teilten die Welt in Gut und Böse ein. An der Diskussion nahm auch die stellvertretende Vorsitzende des Evangelischen Missionswerks in Deutschland (EMW), Martina Helmer-Pham Xuan (Hermannsburg) teil. Wie die Direktorin des Evangelisch-lutherischen Missionswerks in Niedersachen sagte, brauchten Missionare eine längere Vorbereitung. Sie müssten eine fremde Sprache lernen und die Kultur und Kirchen des Gastlands kennenlernen. In einigen Ländern kümmerten sich Kirchen um Menschen, die unter nicht eingetroffenen Versprechen charismatischer Prediger – etwa Heilung oder Wohlstand – litten.

Allianzvorsitzender: Genau hinsehen

Der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Jürgen Werth (Wetzlar), plädierte für genaues Hinsehen. Um JMEM angemessen beurteilen zu können, müsse man prüfen, was die Jugendlichen in den Einsatzländern tun und wie sie von den Verantwortlichen vorbereitet werden. Missionare gingen nicht in islamische Länder, um als Märtyrer zu sterben, sondern um Menschen zu helfen und ihren Glauben zu leben. Zu den Folgen von Mission sagte Werth, wo sich das Christentum durchsetze, würden Frauen beispielsweise nicht mehr geschlagen und Mädchen nicht beschnitten. Überzeugte Christen würden in vielen islamischen Ländern „ernster genommen als jene Kirchenmitglieder, die Muslime in Westeuropa häufig erleben“.

Charismatiker haben besseren Zugang zu Menschen

Nach Angaben der ehemaligen katholischen Nonne Majella Lenzen (Aachen), die 33 Jahre lang in Afrika in Gesundheitsprojekten tätig war, haben pfingstkirchlich geprägte Missionare oft einen besseren Zugang zu Einheimischen als Mitarbeiter traditioneller Kirchen. Sie passten sich rasch den örtlichen Kulturen an. In der Art, wie Menschen geholfen werde, gebe es meist keine sichtbaren Unterschiede zwischen pfingstkirchlichen und traditionellen Kirchen. Der Historiker und Kolonialismus-Experte Horst Gründer (Münster) bescheinigte den Pfingstkirchen ebenfalls, durch gefühlvolle Gottesdienste attraktiver als andere Kirchen zu sein.

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