20. Oktober 2017

Lübecker Marienkirche verlangt Eintritt

Quelle: idea.de

Lübecker Marienkirche: Gottesdienste und Gebet bleiben kostenlos. Foto: Wikipedia

Lübecker Marienkirche: Gottesdienste und Gebet bleiben kostenlos. Foto: Wikipedia

Lübeck (idea) – Für die Besichtigung der Lübecker St. Marienkirche wird im kommenden Jahr wieder Eintritt erhoben. Ab dem 15. März zahlen Erwachsene den sogenannten Marientaler von zwei Euro. Freien Eintritt haben Kinder und Jugendliche, Mitglieder der Gemeinde sowie Besucher, die zum Beten kommen.
 

Auch für die Teilnahme an Gottesdiensten wird kein Eintritt erhoben. Die Kirche ist mit der Altstadt Lübecks Teil des UNESCO-Weltkulturerbes und zählt zu den meist besuchten Kirchen Europas. Mit dem Marientaler baue sich die Kirche wegen der rückläufigen Kirchensteuereinnahmen eine zweite Finanzsäule auf, heißt es. Bereits im Frühjahr hatte die Kirche Eintritt für Gruppen und Schulklassen eingeführt und war damit auf zum Teil heftige Kritik in der Lübecker Bevölkerung gestoßen. Wenn Eintrittsgeld zur Besichtigung einer Kirche erhoben wird, haben nach Ansicht von Pastorin Ina von Kortzfleisch (Lübeck) viele Besucher das irrige Gefühl, für ihren Glauben bezahlen zu müssen: „Das ist falsch. Gott ist und bleibt umsonst.“ Die Pastorin rechnet mit rund einer Million Besuchern im kommenden Jahr. Die Gemeinde hofft, mit den Erlösen aus dem Eintrittsgeld die laufenden Kosten decken zu können. Eine anfängliche Irritation kann sich die Pastorin am ehesten unter deutschen Touristen vorstellen. Andernorts sei man es vielfach gewohnt, mit Eintrittsgeldern die Finanzierung von Kirchen zu unterstützen.

Was sind Lübeck die Kirchen wert?

Wie von Kortzfleisch betonte, habe St. Marien mit der Einführung des Eintrittsgelds einen Paradigmenwechsel bei den Finanzen eingeleitet. Nur 17 Prozent des laufenden Jahreshaushalts, der im oberen sechsstelligen Bereich liege, könnten durch Kirchensteuern finanziert werden. Zwei Drittel aller Mittel würden für die Bewirtschaftung der Kirche benötigt. Seit einigen Jahren würden zur Deckung der laufenden Kosten die Rücklagen angegriffen. „Für die Zukunft ist das nicht mehr tragbar“, so die Pastorin. Sie plädiert dafür, einen runden Tisch mit Vertretern der Stadt zur Kostenbeteiligung ins Leben zu rufen. Da die sieben Kirchtürme das Erkennungszeichen Lübecks seien, müssten sich die Bürgerschaft und die Verwaltung fragen, was ihnen die kirchlichen Kulturdenkmäler wert seien.