18. November 2017

Wo Christen diskriminiert und drangsaliert werden

Quelle: idea.de

Jahrbuch „Märtyrer 2009“: Viele bezahlen ihren Glauben mit dem Leben.

Jahrbuch „Märtyrer 2009“: Viele bezahlen ihren Glauben mit dem Leben.

Wetzlar (idea) – Religiöse Fanatiker gewinnen in zahlreichen Staaten an Einfluss – vor allem in der islamischen Welt. Leidtragende dieser Entwicklung sind vor allem Christen, die wegen ihres Glaubens diskriminiert und drangsaliert werden. Das Spektrum der Repressionen reicht von Benachteiligungen im Beruf und Drohungen bis hin zu Entführungen, Folter und Mord.
 

Darauf macht das Jahrbuch zur Christenverfolgung „Märtyrer 2009“ aufmerksam. Die Dokumentation ist bei der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) erschienen. Herausgeber sind die Arbeitskreise für Religionsfreiheit der Evangelischen Allianzen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM). Anlass für die Veröffentlichung ist der von der Weltweiten Evangelischen Allianz veranstaltete internationale Gebetstag für die verfolgten Christen am 8. November. Nach Schätzungen von Menschenrechtsexperten werden weltweit rund 200 Millionen Christen wegen ihres Glaubens benachteiligt und unterdrückt. Dem Jahrbuch zufolge sind vor allem evangelistisch aktive Gemeinden Ziel von Übergriffen: Durch sie sähen religiöse Extremisten ihre Vormachtstellung und ihr Weltbild bedroht. Im Blick auf die islamische Welt heißt es: „In der Mehrheit der muslimisch geprägten Staaten der Erde ist die Lage für die einheimischen Christen im günstigsten Fall gleich geblieben – und zwar gleich schlecht.“

Konvertiten am meisten bedroht

Verschlechtert habe sich ihre Situation etwa in Saudi-Arabien, im Iran, Afghanistan und Somalia. Dort müssen vor allem Personen um ihr Leben fürchten, die vom Islam zum Christentum übergetreten sind. In Afghanistan habe der Druck auf Christen unter anderem durch die Taliban zugenommen. Diese muslimischen Extremisten seien nach Einschätzung des Londoner Forschungsinstituts „International Council on Security and Development“ (Internationaler Rat für Sicherheit und Entwicklung) in 80 Prozent des Landes präsent. Im Süden des Landes wachten 15 Scharia-Gerichte darüber, dass das islamische Religionsgesetz eingehalten wird, so das Jahrbuch. Die schätzungsweise etwa 3.000 Christen hätten dagegen keinen Rechtsstatus. In Pakistan stellten Überfälle auf christliche Dörfer einen neuen Höhepunkt der Übergriffe dar. Nach Erkenntnissen des Hilfswerks Open Doors sind von den zehn Staaten mit der schlimmsten Christenverfolgung sieben islamisch geprägt und drei kommunistisch.

Nordkorea bleibt Christenverfolger Nummer eins

Ganz oben auf dem Weltverfolgungsindex steht im siebten Jahr in Folge Nordkorea. Open Doors schätzt, dass das kommunistische Regime des Diktators Kim Jong Il zwischen 50.000 und 70.000 Christen in über 30 Arbeits- und Straflagern gefangen hält. Im Untergrund lebten mindestens 200.000 Christen. Hinter Nordkorea rangieren Saudi-Arabien, der Iran, Afghanistan, Somalia, die Malediven, der Jemen, Laos, Eritrea und Usbekistan. Im Iran gebe es eine Verfolgungswelle mit zahlreichen Verhaftungen von Christen, die Hausgemeinden angehören. Im Irak seien 2008 mindestens 35 Christen aufgrund ihres Glaubens ermordet worden, in Somalia mindestens zehn. Das ostafrikanische Eritrea (Rang neun) ist neu in der Liste der zehn Staaten mit der massivsten Verfolgung. Das neomarxistische Regime geht gegen Angehörige nichtregistrierter Kirchen vor. Anerkannt sind lediglich die orthodoxe und die katholische Kirche, Lutheraner sowie der Islam. 2002 wurden alle Mitglieder nicht erlaubter Kirchen – darunter über 30 evangelikale – zu Staatsfeinden erklärt. Nach Angaben von Kirchenleitern sollen rund 3.000 Christen unter unmenschlichen Bedingungen in Eritrea inhaftiert sein.

Indien: Alle 36 Stunden ein Anschlag auf Christen

Im Blick auf das hinduistisch geprägte Indien heißt es, die Angriffe auf Christen nähmen von Jahr zu Jahr zu: „Nonnen werden vergewaltigt, Evangelisten verprügelt, Missionare und einzelne Christen getötet, Kinderheime, Kirchen und Klöster zerstört.“ In den Jahren 1964 bis 1996 seien insgesamt 38 Übergriffe von Hindus auf Christen registriert worden. Im Jahr 1997 seien es 15, 1998 und 1999 jährlich etwa 150 gewesen. „Derzeit findet cirka alle 36 Stunden ein Anschlag statt.“ Das Jahrbuch nennt aber auch einige Länder, in denen sich die Lage entspannt hat. So berichteten Christen im Nordsudan (Platz 30) und auf der zu Tansania gehörenden Inselgruppe Sansibar (31) von mehr Freiheit, ihren Glauben zu praktizieren. Auf Kuba (Platz 33) scheine die Zeit schlimmer religiöser Verfolgung der Vergangenheit anzugehören, heißt es. Allerdings gebe es nach wie vor soziale Kontrolle und Überwachung der Christen. Die Mitgliederzahlen in Kirchen und Gemeinden der Karibikinsel nähmen zu.