18. November 2017

Wie werden Gottesdienste besser und missionarischer?

Quelle: idea.de

Wolfgang Huber stellt Orientierungspapier vor: Besucherzahlen steigern.

Wolfgang Huber stellt Orientierungspapier vor: Besucherzahlen steigern.

Berlin (idea) – Mit wenigen Besuchern im Gottesdienst will sich die evangelische Kirche nicht abfinden. Die EKD hält in ihrem Reformprozess an dem Ziel fest, sowohl die Beteiligung als auch die Qualität zu steigern. Bei der Gestaltung sollte man auch die missionarische Dimension bedenken, sagte der EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber (Berlin), am 12. Oktober in Berlin bei der Vorstellung einer Orientierungshilfe zum Gottesdienst.

Pfarrer und Pfarrerinnen sollten sich fragen, ob jemand, der erstmals einen Gottesdienst besucht, darin etwas findet, was ihn zum Wiederkommen veranlasst, so Huber. Der Gottesdienst sei für jede christliche Gemeinde der Kern ihrer Existenz. Die Qualität wolle die EKD auch durch die neuen Kompetenzzentren für Gottesdienst und Predigtkultur in Hildesheim und Wittenberg stärken.

Auch mit bescheidenen Mitteln lässt sich mehr tun

Wie der Vorsitzende der EKD-Kammer für Theologie, Prof. Michael Beintker (Münster), sagte, könne man auch mit bescheidenen Mitteln mehr tun, als viele vermuten. Wichtig sei vor allem eine liebevolle und sorgfältige Vorbereitung. Pfarrer sollten sich dafür mindestens einen Tag in der Woche freihalten und die Gemeinde beteiligen. Der Verkündiger müsse das Evangelium auf überraschende Weise und frei von Klischees präsentieren. Auf keinen Fall dürfe an der Kirchenmusik gespart werden, so der reformierte Theologe. Die Teilnehmer sollten nach dem Gottesdienst reicher sein als zuvor, weil sie etwas von Gott bekommen hätten. Bei der Erstellung der Orientierungshilfe habe man sich in der 15-köpfigen Kommission gefragt: „Wie können Gottesdienste so gestaltet werden, dass die Menschen sie nicht versäumen möchten, weil sie sich angesprochen fühlen und sich einbezogen wissen? Wie kann die Ausstrahlung des Evangeliums so zum Leuchten kommen, dass unsere Gottesdienste sogar für Menschen interessant werden, denen der christliche Glaube nichts mehr sagt?“

„Und wie oft muss ich da nun hingehen?“

In dem Papier wird auch die Frage gestellt: „Und wie oft muss ich da nun hingehen?“ Die Antwort: „Ich ‚muss’ gar nicht, die evangelische Kirche kennt keine Gottesdienstpflicht – auch wenn sie in ihren Lebensordnungen die Bedeutung der Teilnahme am Sonntagsgottesdienst besonders hervorhebt. Was aber hält mich fern, wenn ich weiß, dass ich dort eine Gemeinschaft von Menschen finde, die meinen Glauben teilen und mich darin bestärken? … Der Gottesdienst, der gefeiert werden soll, braucht Christen, die ihn feiern. Auch mich. Und auch ich brauche den Gottesdienst.“ Das Papier enthält ein Plädoyer für regelmäßige Gottesdienste: „Wovon man täglich lebt, das soll man täglich feiern.“