21. September 2017

Für Koalitionsverhandlungen von Kirche und Evangelikalen

Quelle: idea.de

Altbischof Noack: Beide Seiten beäugen sich oft noch kritisch.

Altbischof Noack: Beide Seiten beäugen sich oft noch kritisch.

Bad Blankenburg (idea) – Für eine engere Zusammenarbeit von Kirche und evangelikal-pietistischer Bewegung hat sich der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste (AMD), der frühere Magdeburger Bischof Axel Noack, ausgesprochen.

 
Beide Seiten sollten „in Koalitionsverhandlungen eintreten“, sagte er beim Deutschen Evangelischen Allianztag am 26. September im thüringischen Bad Blankenburg. Dabei würdigte Noack, dass Kirche und Evangelikale in den vergangenen Jahren stark aufeinander zugegangen seien. Um die Energien beider Seiten zu bündeln, müssten sowohl evangelikale als auch volkskirchlich geprägte Christen lernen, „sich über die Erfolge der anderen mit zu freuen“. Es dürfe nicht länger der Slogan gelten „Der Neid ist die evangelische Form der Anerkennung“, sagte Noack in einem Vortrag zum gemeinsamen Auftrag der Christen. Nach seiner Beobachtung beäugen sich beide Seiten an vielen Stellen immer noch kritisch. So hätten evangelikal-pietistische Christen zwar lange Zeit dafür gebetet, dass die Kirche missionarischer werde. Jetzt, da sie wieder missionarischer sei, meinten viele Evangelikale, Mission sei eigentlich nur ihr Thema. Die EKD wiederum sollte sich bei Angriffen auf die evangelikale Bewegung auch künftig vor sie stellen: „Da hat die Kirche eine Schutzfunktion.“
 

Nichtchristen im Kirchenchor mitsingen lassen

Noack äußerte sich froh und dankbar dafür, dass das Thema Mission in der Kirche angekommen sei. Das werde auch daran deutlich, dass das Greifswalder Institut zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung innerhalb der EKD ein hohes Ansehen genieße. Allerdings müssten besonders Evangelikale aufgrund der Forschungsergebnisse des Instituts lernen, dass es „zwischen Unglauben und einer festen Beziehung zu Jesus Christus viele Stufen gibt“. Luther etwa habe viel von Kleinglauben gesprochen. „Und das ist doch besser als gar kein Glauben“, so Noack. Die meisten Evangelikalen dächten aber nur bipolar: „entweder Christ oder Atheist“. Die Untersuchungen des Instituts in Greifswald zeigten aber, dass sich eine Entscheidung für den Glauben durchaus sieben bis zehn Jahre hinziehen kann. Hilfreich könne es dabei seien, wenn die Gemeinden Menschen Aufgaben übertragen. Der Satz „Du wirst gebraucht“ sei für viele Außenstehende schon das halbe Evangelium. „Lassen wir doch ruhig auch Nichtchristen im Kirchenchor mitmachen“, sagte Noack. „Wenn sie Bach singen, muss doch etwas ankommen.“

Steeb: Evangelische Allianz ist eine Pro-Bewegung

Der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb (Stuttgart), sprach zum Thema „Wir sind eine Pro-Bewegung“. Anlass waren die zahlreichen Angriffe in den Medien auf die evangelikale Bewegung in den Medien. „Wir werden seit einiger Zeit so dargestellt, als würden wir nicht in die Gesellschaft passen“, erklärte Steeb. „Deshalb ist es an der Zeit, deutlich zu machen, dass wir eine Pro-Bewegung sind, die für etwas steht und nicht gegen etwas.“ So setze sich die Allianz für die freiheitlich-demokratische Grundordnung, die Familie und den Lebensschutz ein. Der EKD dankte Steeb für ihr Bekenntnis zur Mission. Die Deutsche Evangelische Allianz repräsentiert rund 1,3 Millionen Evangelikale aus Landes- und Freikirchen.
 

Ein Kommentar zur idea-Meldung von Thomas Schneider

Interessant! Kirche und pietistische Bewegung sollen in “Koalitionsverhandlungen” treten. Steht etwa die Gnadauer Gemeinschaftsbewegung nicht felsenfest im evangelisch-theologischen Kirchenraum? Im Blick auf die Ausrichtung des alten und nun auch des neuen Gnadauer Präses hieße das doch, Wasser in den Bach tragen. – Und warum betont der Vorsitzende der AMD und frühere Magdeburger Bischof Noack so sehr die “pietistischen” Evangelikalen? Sieht er sich etwa Gefahr ein, dass die “Schutzfunktion” der Kirche zu weit gehen könnte? Will sagen: Soll sich die angestrebte christliche “Koalition” auf kirchlich-pietistische Zielstellungen reduzieren, um sich besser von den Evangelikalen abgrenzen zu können, die an der Sechs-Tage-Schöpfung festhalten und daran, dass die Bibel bis in den Wortlaut hinein von Gott inspiriert und irrtumslos ist? – Eine christliche Koalition macht nur dann Sinn, wenn sich alle bekennenden Christen in Deutschland darauf verständigen würden, gegen die zunehmenden medialen Angriffe gemeinsam Flagge zu zeigen. – Abschließend sei die Frage erlaubt: An welcher Stelle ist denn die evangelische Kirche missionarischer geworden? Was die Zahl der angestellten Evangelisten angeht, könnte man eher meinen, die Kirche wolle die Entmissionierungskampagnen der Atheisten unterstützen. Ein Grund dafür ist vielleicht auch der, dass zwischen Schwarz und Weiß, zwischen Christ-Sein und Atheist-Sein, Grautöne zugelassen werden sollen. Diese aber sind im Evangelium von Jesus Christus nicht zu finden.