18. Januar 2018

Gnadauer Präses: Volkskirche ist frömmer geworden

Quelle: idea.de

Der Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes (Vereinigung Landeskirchlicher Gemeinschaften), Pfarrer Christoph Morgner.

Der Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes (Vereinigung Landeskirchlicher Gemeinschaften), Pfarrer Christoph Morgner.

Kassel (idea) – Die Volkskirche ist insgesamt frömmer geworden. Dieser Ansicht ist der Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes (Vereinigung Landeskirchlicher Gemeinschaften), Pfarrer Christoph Morgner (Kassel). So gebe es heute mehr Pfarrer, die im Sinne des Pietismus tätig seien, als in den 70er oder 80er Jahren, sagte der oberste Repräsentant des landeskirchlichen Pietismus in einem Interview mit der Evangelischen Nachrichtenagentur idea.
 
Morgner, der seit 1989 als Präses amtiert, wird im September – kurz vor seinem 66. Geburtstag – in den Ruhestand treten. Sein Nachfolger ist der 47-jährige Pfälzer Dekan Michael Diener (Pirmasens). Nach Morgners Worten hat sich das Verhältnis zwischen der Gemeinschaftsbewegung und der EKD in den vergangenen zehn Jahren verbessert. Der Grund dafür sei, dass das Thema Mission seit der EKD-Synode 1999 in Leipzig auf der kirchlichen Tagesordnung stehe. Deshalb sage der Gnadauer Verband klar: „Wir wollen in dieser Kirche wirken.“ Hinzu komme, dass in den vergangenen Jahren zwischen vielen Landeskirchen und Gemeinschaftsverbänden Vereinbarungen getroffen worden seien. Diese hätten die Landeskirchlichen Gemeinschaften und ihre Prediger aufgewertet. So würden Prediger in immer mehr Landeskirchen kirchlich ordiniert und nähmen Amtshandlungen wie Taufen, Trauungen und Beerdigungen vor.
 

Homo-Segnung ist unbiblisch

Morgner zufolge sehen die Pietisten manche kirchliche Entwicklungen aber auch sehr kritisch: „So leiden wir beispielsweise darunter, dass in einigen Landeskirchen eine Segnung gleichgeschlechtlicher Paare möglich ist. Diesen Kurs lehnen wir als unbiblisch ab.“ Lobende Worte findet der Präses für Papst Benedikt XVI. Dessen Buch über Jesus Christus sei ein sehr evangelisches Buch – zumindest in den meisten Passagen. Morgner wünscht sich jedoch, dass der Papst noch größere Schritte auf die evangelische Seite zugeht. Der Präses würde es auch begrüßen, „wenn der Papst Priestern freistellt, ob sie zölibatär leben oder eine Ehe eingehen wollen“.

Diagnose Krebs: Wie der Glaube half

Morgner äußerte sich auch zu einer lebensbedrohlichen Erkrankung, die bei ihm im Herbst 2000 festgestellt worden war. Damals diagnostizierten Ärzte bei ihm einen aggressiven Krebs und prognostizierten ihm bestenfalls noch ein Lebensjahr. Dies sei für ihn der größte Einschnitt seines Lebens gewesen, so Morgner. In dieser Zeit sei ihm der Glaube an Jesus Christus viel zentraler geworden. Er habe Glaubenslieder von Paul Gerhardt (1607-1676) wie „Befiehl du deine Wege“ und „Die güldne Sonne“ ganz neu „als großen Schatz“ für sich entdeckt. Morgner: „Damals erlebte ich auch viel Zuspruch und Fürbitte aus unseren Gemeinschaften. Ich bin Gott unendlich dankbar für das Wunder, dass ich inzwischen vollständig genesen bin.“