16. August 2017

Staatsanwaltschaft entlastet RTL

Die unrühmliche Rolle der Justiz in Deutschland

Kommentar von Thomas Schneider

schnullerMehr als 50 Strafanzeigen wegen Körperverletzung waren zur Fernsehsendung „Erwachsen auf Probe“ bei der Staatsanwaltschaft Köln gegen den Privatsender RTL und die Erziehungsbrechtigten eingegangen. Die RTL-Sendung, in der Eltern ihre Babys und Kleinkinder wildfremden Jugendlichen anvertrauen, hatte bundesweit für Schlagzeilen und scharfe Kritik gesorgt. Mehrere Großunternehmen hatten daraufhin ihre Werbung aus dem Umfeld der Fernsehdokumentation zurückgezogen, unter anderem der Süßwarenhersteller Storck und der Discounter Lidl. Sogar die sonst eher liberale CDU-Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen hatte eine „gründliche Überarbeitung“ von RTL gefordert.
 

Einstellung der Ermittlungen
Am 3.Juli sind dann die Ermittlungen von der Kölner Staatsanwaltschaft eingestellt worden mit der Begründung, dass es da zwar eine Menge von Bedenken ethischer oder pädagogischer Art geben könne, die auf Kritik stoßen, aber Strafgesetze nicht berührt seien.
 

Keine erheblichen Gefahren
RTL bekommt von der Kölner Staatsanwaltschaft auch in karnevalfreien Zeiten Narrenfreiheit. Die Gesetzeshüter geben abschließend bekannt, dass Kinder durch die RTL-Fernsehshow „keinen erheblichen, also über ein normales, alltägliches Lebensrisiko hinausgehenden Gefahren“ ausgesetzt gewesen seien. Die Sendung, in der Babys und Kleinkinder zu kommerziellen Zwecken missbraucht werden, wird also nicht verboten. Es seien doch keine Hinweise „auf spätere psychische Folgen der Fernsehproduktion bei den Kindern“ zu sehen, so die Staatsanwaltschaft. Überrascht das Ergebnis des Medienskandals? Wohl kaum!
 

Wo bleibt der Aufschrei der Christen?
Punktum, in unserer Gesellschaft gilt weiter der Grundsatz: Erlaubt ist, was Spaß macht. Ethik und Moral dürfen (im rechtlich geschützten Rahmen) Spielball der kommerziellen Spaßgesellschaft sein und bleiben. Armes Deutschland! Aber das ganze Drama ist sicher noch steigerungsfähig. Vielleicht laufen schon die ersten Vorbereitungen für Fernsehsendungen, in denen perverse Sexualität die Einschaltquoten nach oben schnellen lässt. Selbstverständlich unter strenger Rechtsaufsicht! Schlussendlich frage ich aber: Wo bleibt der Aufschrei der vielen Christen in unserem Land, von denen doch inzwischen 99 Prozent die Einschaltquoten mitbestimmen? Schreiben Sie Briefe an die Redaktionen der Sender! Rufen Sie an in den Redaktionsstuben der Medien! Wer sollte es sonst tun?